Folia Theologica 22. (2011)
Kránitz Mihály: Der Pluralismus der Religionen aus dem Gesichtspunkt der Mission
50 Mihály KRÁNITZ tus glaubten (...) müssen wir sodann noch weiter ausholen, weil wir wissen, daß »der Wind weht, wo er will«, wie Jesus im Gespräch mit Nikodemus anschaulich sagt. Das II. Vatikanische Konzil, das sich vor allem auf das Thema der Kirche konzentriert hat, erinnert uns an das Wirken des Heiligen Geistes »auch außerhalb« des sichtbaren Leibes der Kirche. Das Konzil spricht ausdrücklich von »allen Menschen guten Willens, in deren Herzen die Gnade unsichtbar wirkt. Da nämlich Christus für alle gestorben ist und da es in Wahrheit nur eine letzte Berufung des Menschen gibt, die göttliche, müssen wir festhalten, daß der Heilige Geist allen die Möglichkeit anbietet, diesem österlichen Geheimnis in einer Gott bekannten Weise verbunden zu sein." (DeV 53)31 Der Gedanke und die universelle Tätigkeit des Geistes erscheint wieder in der Enzyklik Redemptoris missio (1990), die über das Wirken des Geistes nicht nur in den einzelnen Personen sondern auch in den religiösen Traditionen mit einer ausserordenlicher Klarheit spricht: „Der Geist zeigt sich in besonderer Weise in der Kirche und in ihren Mitgliedern; jedoch ist seine Gegenwart und sein Handeln allumfassend, ohne Begrenzung durch Raum und Zeit (...) Der Geist steht also am Ursprung der Existenz und Glaubensfrage jedes Menschen, die sich ihm nicht nur in bestimmten Situationen, sondern aus der Struktur seines Daseins selbst stellt. Die Gegenwart und das Handeln des Geistes berühren nicht nur einzelne Menschen, sondern auch die Gesellschaft und die Geschichte, die Völker, die Kulturen, die Religionen." (RM 28)32 Obwohl Papst Johannes Paulus II. die Anwesenheit des Heiligen Geistes von Gott in den religiösen Traditionen mehrfach wiederholt, kehrt er in einigen seiner Äusserungen zur „Theorie der Erfüllung" zurück, wie das auch bei Papst Paulus VI. vorkam.33 Im apostolischen Schreiben Tertio millenium adveniente (1994) schreibt der Papst folgendes: „Christus (...) beschränkt sich nicht darauf, „im Namen Gottes" zu reden wie die Propheten, sondern er ist Gott selbst, der in seinem ewigen Wort, das Fleisch geworden ist, spricht. Wir berühren hier den wesentlichen Punkt, durch den sich das Christentum von allen anderen Religionen unterscheidet, in welchen von Anfang an die Suche nach Gott 31 Vgl. Papst Johannes Paulus II., Dominum et vivificantem 53. Siehe noch: GS 22. 32 Vgl. Papst Johannes Paulus IL, Redemptoris missio 28. 33 Vgl. Evangelium nuntiandi 53.