Folia Theologica 22. (2011)

Kránitz Mihály: Der Pluralismus der Religionen aus dem Gesichtspunkt der Mission

DER PLURALISMUS DER RELIGIONEN ... 49 nicht manchmal, daß die starken religiösen Überzeugungen der Anhänger der nichtchristlichen Religionen - Überzeugungen, die auch schon vom Geist der Wahrheit berührt worden sind, der über die sicht­baren Grenzen des Mystischen Leibes hinaus wirksam ist - die Chris­ten beschämen, die ihrerseits oft so leichtfertig die von Gott geoffen- barten und von der Kirche verkündeten Wahrheiten in Zweifel ziehen und so sehr dazu neigen, die Grundsätze der Moral aufzuweichen und dem ethischen Permissivismus die Wege zu öffnen?"28 Rechnend mit der Tätigkeit des Geistes innerhalb und ausserhalb der Kirche, der Papst zeigt, was die Religionen vereinigt: diese sind die „Wiederspiegelungen der einzigen Wahrheit", die unterschiedlichen Wege zum einzigen Ziel: „Zu Recht sahen die Kirchenväter in den ver­schiedenen Religionen gleichsam auch Reflexe einer einzigen Wahrheit als »Keime des Wortes«, die bezeugen, daß das tiefste Streben des menschlichen Geistes, wenn auch auf verschiedenen Wegen, so doch in eine einzige Richtung ausgerichtet ist. Dieses Streben des Geistes drückt sich aus in der Suche nach Gott und zugleich - aufgrund seiner Hinordnung auf Gott - in der Suche nach der vollen Dimension des Menschseins oder der vollen Sinndeutung des menschlichen Lebens."29 Der ausdrucksvollste Text ist die Enzyklik Dominum et vivificantem (1986), die die universelle Wirkung des Geistes zur gleichen Zeit auch auf die Zeit vor der christlichen Heilsordnung und auch ausserhalb der Kirche ausbreitet.30 Der Papst erklärt ferner die christologischen und pneumatologischen Dimensionen der Gnade auf die folgende Weise: „Wenn man diesem Motiv des Jubiläums folgt, kann man sich jedoch nicht nur auf die 2000 Jahre seit Christi Geburt beschränken. Man muß weiter zurückgehen und das ganze Wirken des Heiligen Geistes vor Christus in den Blick nehmen - sein Wirken von Anfang an, in der ganzen Welt und vor allem in der Heilsordnung des Alten Bundes. Dieses Wirken an jedem Ort und in jeder Zeit, ja in jedem Menschen geschah nämlich nach dem ewigen Heilsplan, durch den es mit dem Geheimnis der Menschwerdung und Erlösung eng verbunden ist, das sich aber schon auf jene ausgewirkt hat, die an den kommenden Chris­28 Papst Johannes Paulus II., Redemptor hominis 6. 29 Papst Johannes Paulus II., Redemptor hominis 6. 30 Das II. Vatikanische Konzil hat den in der Welt wirkende Geist vor der Ankunft Christi schon erwähnt: „Ohne Zweifel wirkte der Heilige Geist schon in der Welt, ehe Christus verherrlicht wurde" (AG 4).

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