Folia Theologica 22. (2011)
Kránitz Mihály: Der Pluralismus der Religionen aus dem Gesichtspunkt der Mission
48 Mihály KRÁNITZ schichte erfüllt sind von „semina Verbi": wäre es da nicht eine Illusion zu behaupten, das Evangelium dorthin zu bringen, wo es schon immer in diesen Samenkörnern anwesend ist, die der Herr selbst dort gesät hat?"26 Nachdem Papst Paulus VI. im Dokument seitens der Kirche die Religionen schätzt, wie das auch schon in den Texten des Konzils so war, erörtert der Papst seine Gedanken so: „Wir wollen besonders heute hervorheben, daß weder die Achtung und Wertschätzung noch die Vielschichtigkeit der aufgeworfenen Fragen für die Kirche eine Aufforderung darstellen können, eher zu schweigen als Jesus Christus vor den Nichtchristen zu verkünden (...) Auch im Hinblick auf jene Äußerungen der Naturreligionen, die höchste Wertschätzung verdienen, stützt die Kirche sich auf die Tatsache, dass die Religion Jesu Christi, die sie durch die Evangelisierung vermittelt, den Menschen, im objektiven Sinn, in die Verbindung mit dem Heilsplan Gottes, mit seiner lebendigen Gegenwart, mit seiner Tätigkeit bringe. Die Kirche läßt ihn so dem Geheimnis der göttlichen Vaterschaft begegnen, die sich der Menschheit zuneigt. Mit anderen Worten: Unsere Religion stellt tatsächlich eine echte und lebendige Verbindung mit Gott her, was den übrigen Religionen nicht gelingt, auch wenn sie sozusagen ihre Arme zum Himmel ausstrecken."27 Das Papsttum von Johannes Paulus II. hat die „Theologie der Religionen" mit seiner Enzyklika Redemptor hominis (1979) vorwärtsgebracht, weil er die tätige Anwesenheit Gottes Geistes im religiösen Leben der Nichtchristen und in den religiösen Traditionen, zu denen sie gehören, mit einer entsprechenden Entschiedenheit vertreten hat. Der Papst sieht in der „Stärke des Glaubens" der Nichtchristen die Wirkung des „Geistes der Wahrheit" und stellt fest: „Geschieht es 26 Das wird durch die Erklärung der Kongregation für die Glaubenslehre mit dem Titel Dominus Iesus (2000) verstärkt und wieder festgestellt: „Wenn es auch wahr ist, dass die Nichtchristen die göttliche Gnade empfangen können, so ist doch gewiss, dass sie sich objektiv in einer schwer defizitären Situation befinden im Vergleich zu jenen, die in der Kirche die Fülle der Heilsmittel besitzen." Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, Dominus Iesus 22. 27 Das Bild des Ausstreckens der Arme zum Himmel zeigt gut, dass der Papst die „Theorie der Erfüllung" in ihrer eigenen klassischen Form wieder verwendet. Die wertvollsten Gedanken des Konzils fallen hier aus. Papst Paulus VI., der mit seinem Schreiben Ecclesiam suam der "Papst des Dialogs" geworden ist, äussert hier nicht über die Frage des interreligiösen Dialogs.