Folia Theologica 22. (2011)

Kránitz Mihály: Der Pluralismus der Religionen aus dem Gesichtspunkt der Mission

DER PLURALISMUS DER RELIGIONEN ... 37 Christus aufgehört hat.9 Balthasar denkt trotzdem nicht, dass man im Falle der Religionen von Konvergenz oder Integration sprechen beziehungsweise behaupten könnte, dass jede „universelle Religion" denselben Wert hat. Die Religionen der Offenbarung - Judentum, Christentum und Islam, die einen gemeinsamen Glauben an einen per­sönlichen und schaffenden Gott haben - müssen von den östlichen Religionen unterschieden werden, für die sich die unpersönliche gött­liche Offenbarung hinter provisorischen und temporären Erscheinun­gen versteckt. Die zwei Gruppen sind voneinander durch entschiedene Richtungen getrennt: Von Gott zur menschlichen Person in den mono­theistischen Religionen und vom Menschen zum göttlichen Absolu­tum in den anderen. Das bedeutet natürlich nicht, dass es keine ge­meinsamen Punkte gäben, denn jede Religion hat eine gemeinsame Grundlage und ein gemeinsames Wesen, was in der Selbsttranszen­denz und der Befreiung der menschlichen Person besteht. Immerhin wird das auf unterschiedliche Weisen verwirklicht: einerseits durch Gottes Niederbeugen durch sein Wort in der Geschichte für das menschliche Geschlecht, in Liebe und im Schenken von sich selbst; an­dererseits durch den Kampf des Menschen durch das Basieren des un­persönlichen Absolutums auf die Befreiung von sich selbst. Zwischen diesen zwei Richtungen ist die Konvergenz nicht möglich. Sie haben ihre Wurzeln in zwei, einander gegenseitig ausschliessenden Welt­anschauungen, und die „universelle Religion" ist eine Utopie. Wir müssen jedoch auch sehen, dass sich die zwei Religionsmodelle zur gleichen Zeit Universalismus und absoluten Anspruch verlangen. II. Das Mysterium von Christus in den religiösen Traditionen Neben den vorangehenden Richtungen erscheint auch die Theorie der Theologen, die die Religionen als mögliche Wege zum Heil betrachten; und das ist eines des heiklesten Elemente des zwischenreligiösen Dialogs von heute. Karl Rahner (1904-1984) hat den vieldiskutierten Ausdruck „ano­nyme Christen" für Christi tätige aber verborgene und unbekannte 9 Der von Nikolaus Cusanus geliehene Begriff steht mehrmals bei Balthasar.

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