Folia Theologica 22. (2011)
Török Csaba: Inkulturation. Möglichkeiten und Grenzen eines Paradigmas II.
INKULTURATION 139 Sein Urteil über die Haltung der Kirche und der Katholiken wird an der folgenden Stelle ganz klar formuliert: „Ich habe Angst, dass wir Katholiken und wir Kirche unfähig sind, zu verstehen: Wir sprechen über Dialog, aber können nicht dem anderen gegenüber aufmerksam sein21 22; wir publizieren Botschaften und Dokumente, aber spüren die Vibrationen und die Bedürfnisse der anderen nicht; wir identifizieren und perfektionieren die Prinzipien, aber uns mangelt es am Gespür der Alltäglichkeit der Aufgaben und der Verhaltensweisen, deren Prinzipien wir verwirklichen,‘m Diese von de Rita kritisierte Position ist die direkte Konsequenz von all dem, was wir am Anfang dieses Punktes gesagt haben. Clemens von Alexandrien schreibt an einer Stelle: „Ebenso wie der Wille Gottes ein Akt ist und Welt heißt, ist seine Absicht das Heil der Menschen und sie heißt Kirche."23 Wenn man von dieser Grundüberzeugung ausgeht, wird die Situation anders. Das Fundament des Glaube-Kultur-Verhältnisses wird der Wille Gottes und nicht das angenommene Faktum, dass die Kultur die Kirche als ihr natürliches Ausrichtungsziel benötigt. Die Kultur ist an Gott ausgerichtet, und es steht in seinem Willen geschrieben, dass sie das Heil erreichen soll. In dieser Anschauung wird die Rolle der Kirche eine radikal andere. Sie ist nicht mehr die Schiedsrichterin, sondern die Dienerin der Kulturen. Sie muss nicht urteilen, Dokumente und Appelle publizieren, sondern in Gemeinschaft mit der Kultur, in ihrem Dienst das Werk des Heils fördern. Sie darf nie vergessen: „Wo das Evangelium verkündet werden 21 Wenn wir diesen Punkt der Kritik noch schärfer formulieren wollen, dann müssen wir sagen, dass eine Kirche, die nicht auf die Menschen hört, hört nicht einmal auf Gott. Was von uns erwartet ist, ist „(...) insieme all'ascolto della (stessa) Parola di Dio, l'ascolto orizzontale della parola degli uomini, che permette di cogliere la realtà storica e do confrontarla col Vangelo per una proposta al mondo che sia incarnata e fedele." - hier haben wir vor unseren Augen die Beschreibung der induktiven Methode. Acerbi, A., I nodi dette dinamiche ecclesiali in Italia negli ultimi venticinque anni, in Sartori, L. (a cura di), Chiesa italiana e informazione religiosa, Bologna 1981. 47; zitiert nach Giuè, R., La teológia del rapporto chiesa-mondo, 33. 22 Rita, G. de, Tensioni e speranze della società italiana oggi, in Evangelizzazione e promozione umana. Atti del Convegno ecclesiale (Roma 30. ottobre - 4. novembre 1976), Roma 1977.102; zitiert nach Giuè, R., La teológia del rapporto chiesa- mondo, 7 6ff. 23 Clemens von Alexandrien, Paidagogós I. 6,27; zitiert nach Congar, Y., »Theologische Grundlegung«, in Schütte, J. (Hrsg.), Mission nach dem Konzil, Mainz 1967. 134-172,138.