Folia Theologica 22. (2011)

Török Csaba: Inkulturation. Möglichkeiten und Grenzen eines Paradigmas II.

140 Csaba TOROK soll, gibt es bereits Licht, ja selbst Gnade und Gegenwart Gottes."2“ Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass eine positive, aber inadäquate Be­ziehung zwischen der Suche des Menschen nach Gott und nach der dem Volk Gottes geschenkten Wahrheit besteht - Gott ist derjenige, der schon vor der Evangelisierung, vor der Verkündigung des Evange­liums im Suchen der Menschen gegenwärtig ist. Unserer Meinung nach ist diese die am meisten kohärente Antwort auf die Frage, warum die verschiedensten Kulturen fähig sind, den christlichen Glauben zu empfangen. 4. Ad quartum Die Voraussetzung - „die christlichen Verhaltensnormen und die christliche Botschaft können zu einem Bestandteil der Kultur werden" - repräsentiert einige fragliche Punkte. Christliche Moral und christli­cher Glaube springen aus dem Quelle der Offenbarung hervor, und auf einer rein menschlichen Ebene können sie nie ganz ausführlich und vollkommen die letztendliche Wahrheit ausdrücken. Wie können sie also als Bestandteile jeder Kultur fungieren? Das ist vielleicht die einfachste Frage bezüglich der Voraussetzun­gen des Inkulturationsparadigmas; wir haben schon früher gesehen, dass zwischen Kultur und Religion eine essentielle Verbindung besteht und die Philosophie hat dieses innere Verhältnis auf die verschie­densten Weisen interpretiert.24 25 J. Burkhardt hat drei geschichtliche Potentiale identifiziert: den Staat, die Religion (sie sind beständig und treten mit einem gewissen Universalanspruch an) und die Kultur (spontanes geistliches Produkt, ohne Universalanspruch). K. Marx hat behauptet, dass die Religion ein Kulturfeld sei, das von materiellen Faktoren, wie z. B. der Produktion und dem Handel usw. abhängig sei. W. Dilthey meinte, dass die Religion ein Untersystem der Kultur sei (wie auch z. B. die Sprache, das Recht, die Kunst, die Wirtschaft), die mit der äußeren gesellschaftlichen Organisation in Verbindung steht. Viele haben von zwei Dimensionen der Kultur (geistlich-spirituell und technisch) gesprochen, wobei die Religion als eine der adeligsten 24 Ibid. 140. 25 Vgl. Rodi, F., Kultur. I. Philosophisch, in TRE XX. 177-187,185.

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