Folia Theologica 22. (2011)

Török Csaba: Inkulturation. Möglichkeiten und Grenzen eines Paradigmas II.

138 Csaba TOROK 3. Ad tertium Die dritte Voraussetzung des Inkulturationsparadigmas ist die Über­zeugung, dass die Kulturen fähig sind, eine solche Initiative zu emp­fangen und aufzunehmen. M. Dhavamony fasst die Basis dieser Po­sition folgenderweise zusammen: Die Kultur hat nur eine relative Subsistenz, alles was in ihr gut und wertvoll ist, zeigt Christus an. Das ist der Punkt, wo man die Evangelisierung der Kulturen beginnen muss. Aber wenn man durch diese Tür ins Hause der Kultur eintritt, dann kommt man sehr rasch zu der Konsequenz, die von der Italie­nischen Bischofskonferenz so formuliert wurde: „Die Kirche ist berufen, alles Gute und Wertvolle in den Projekten der Menschen anzunehmen, ihren berechtigten und legitimen Erwartungen »einen Namen zu geben«. Dies ist eine positive Aufgabe, die sie der dreifachen Fürsorge nach erfüllt: »reinigen«, »konsolidieren«, »erheben«."I8 Hinter der Aussage - „cultura capax chris­tianitatis'" - steht die Auffassung, dass die Kirche in dieser Begegnung die aktive, entscheidende, determinierende Rolle spielt. Sie ist die Schiedsrichterin, wobei die Kultur der passive, zu formende, zu wan­delnde Partner ist. In dieser Perspektive wird nicht die Kapazität der Kultur bestätigt, Christus zu empfangen, sondern die Macht und die göttliche Sendung der Kirche, sich die Kultur zu unterwerfen. Diese Haltung ist keine Neuigkeit im Leben der Kirche. Es ist doch erstaunlich, wie diese Haltung im Hintergrund auch neuerer kirchlicher Paradigmata steht. G. de Rita hat öfters seine Stimme gegen diese intellektuelle und men­tale Einstellung ergehoben. „Man muss die Idee an die Seite stellen, dass die Gesellschaß Appelle, Dokumente, einseitige Zeugnisse von der Seite der Kirche und der katholischen Welt benötigt; die Gesellschaß braucht (...) Dialog, sie braucht, die Beziehung zum letzten Sinn des Lebens zu entdecken, sie braucht, die Grenze zum Mysterium zu finden."'9 Der Autor bestätigt: „Es hat nicht viel Sinn, ein Zeugnis über die eigene Gewissheiten abzulegen, (...) die moderne Welt braucht einfach einen, der ihr Seele gibt, nicht von oben, sondern in sie eingehend."20 18 CEI, Evangelizzazione e promozione umana. Documento - base (17 apr. 1975): Enchiridion della Conferenza Episcopale ltaliana, II. 2018-2051, nr. 20. 19 Rita, G. de, Chiesa e società in Italia. Intervista di Antonio Acerbi, Roma 1985. 121; zitiert nach Giuè, R., La teológia del rapporto chiesa-mondo, 26. 20 Ibid. 123; zitiert nach Giuè, R., La teológia del rapporto chiesa-mondo, 27.

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