Folia Theologica 22. (2011)

Török Csaba: Inkulturation. Möglichkeiten und Grenzen eines Paradigmas II.

INKULTURATION 137 Lehramtes.16 Eine solche Haltung gegenüber der kulturellen Realität würde der Kirche ermöglichen, dass sie einerseits neue Impulse in ihre westlich-lateinische Grundstruktur aufnimmt, anderseits könnte sie so einen freien Weg zu der Lösung von tiefgehenden kulturellen Problemen (Afrikanisation, eine gleichzeitig hinduistische und katho­lische Lokalkirche in Indien usw.) schaffen. Im Lichte einer derartigen, vom Geheimnis der Dreifaltigkeit abgeleiteten Communio-Ekklesio­logie wird klar, dass die Kirche unter einem Kommunikationsmangel leidet. Es gibt uns viel zu denken, dass Y. Congar diese Worte bereits 1975 ausgesprochen hat, praktisch noch bevor das Inkulturationsparadigma eingeführt wurde. Deshalb kann man mit Ironie sagen, dass die Kritik früher vorhanden war als die kritisierte These. Wenn der christliche Glaube kommunizierbar ist, ist er es nur in der Kraft des Communio-Frinzips, aber nicht in der Kraft von kirchlich aufgefassten universalgültigen Normen. In dieser Sicht wird auch ein­deutig, dass man einer induktiven, aber keiner deduktiven Methode folgen muss. Die Einheit der Kirche in der Vielfalt der Kulturen wird nicht dank allgemeinen und abstrakten Prinzipien, sondern dank der in der Menschwerdung Gottes kulminierenden Gabe und Offenbarung (der universal-partikularen Botschaft) bewahrt und gestärkt. Die Kom­munikation muss auf Grund der Communio und nicht der Hierarchie bestehen.17 16 An diesem Punkt möchten wir auch die Gedanken von B. Lonergan zi­tieren, der in dieser Wandlung mehrere zentrale Achsen aufzeigt, so wie z. B. die Befreiung vom Konzeptualismus, die theologische Neufassung der Subjekt-Frage oder die Einführung der induktiven Methode. Siehe Loner­gan, B., Theologie im Pluralismus heutiger Kulturen (Quaest. Disp. Nr. 67), Freiburg - Basel - Wien 1975. 19-67. 17 Diese Aussage will die Notwendigkeit des hierarchischen Prinzips nicht ausschließen, sie will nur betonen, dass das Communio-Prinzip das Funda­ment ist, wobei das hierarchische Prinzip dem untergeordnet sein muss im Sinne der Formulierung des Zweiten Vatikanums: „hierarchica communio". Das Nomen, das zentrale Wort ist die Communio, das hierarchische Prinzip fungiert ihm untergeordnet, als sein Adjektiv. Zum Thema siehe Ghirlan- da, G. F., Hierarchica communio. Significato della formula nella »Lumen Gen­tium«, Roma 1980.

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