Folia Theologica 21. (2010)

Fonk Peter: Sich dem unbegreifbaren Gott aussetzen. Sören Kierkegaards Kritika an der Hegelschen Trinitätsspekulation

172 Peter FŐNK sie erst, weil sie durch das mitgesetzte Negative - in diesem Falle die Finsternis - vermittelt wird. Hegel selbst bringt diese Überlegung in die folgenden Worte: „Es ist aber (...) eine einfache Betrachtung, daß fürs erste das Positive nicht ein unmittelbar Identisches ist, sondern teils ein Entgegengesetztes gegen das Negative, und daß es nur in dieser Beziehung Bedeutung hat, also das Negative selbst in seinem Begriffe liegt, teils aber, daß es an ihm selbst die sich auf sich beziehende Negation des bloßen Gesetzt­seins oder des Negativen, also selbst die absolute Negation in sich ist. - Ebenso das Negative, das dem Positiven gegenübersteht, hat nur Sinn in dieser Bedeutung auf dies sein Anderes; es enthält also dasselbe in seinem Begriffe."9 Hegel ist es gelungen, die notwendige Vermittlung der Wider­sprüche einsichtig darzustellen. In diesem Sinne kann man sagen, er habe den Satz vom Widerspruch „aufgehoben". Aufheben aber heißt für Hegel nicht eliminieren. Es heißt, die zwei Seiten des Widerspruchs in ihrer wechselseitigen Bedingtheit bewusst zu machen. Indem er sie zu dem tragenden Grund ihres identischen Beziehungsverhältnisses miteinander vermittelt, kann Hegel zu Recht in Anspruch nehmen, er habe den Widerspruch aufgehoben. Entgegen dem bis dato gültigen Grundaxiom der abendländischen Logik lehrt er, dass der Begriff den Widerspruch gegen sich selbst nicht aus-, sondern einschließt. Der Wi­derspruch gegen den Begriff wird als notwendiges und konstitutives Moment seiner selbst erkannt. Insofern hat Hegel den Widerspruch aufgehoben. So wenig aber wie dieses Aufheben des Widerspruchs be­deutet, ihn zu eliminieren, so wenig bedeutet es, ihn zu leugnen. Ob Kierkegaard mit dem diffizilen Argumentationsgang Hegels genügend vertraut war? Die Frage kann hier nicht entschieden wer­den. Wenngleich Kierkegaard recht forsch die Behauptung vorträgt, die Gegenwart, sprich: die dominierende Philosophie Hegels habe den Satz vom Widerspruch aufgehoben, wird man den heimlichen Ver­dacht nicht los, er sei mit den Gedankengängen Hegels nicht so gut vertraut, wie seine souveränen Urteile vermuten lassen. Dieser Ver­dacht erhält weitere Nahrung durch einen Vorwurf wie den folgenden, Hegel habe unrecht, „wenn er, die Abstraktion vergessend, aus ihr in 9 Hegel, G. F. W., Wissenschaft der Logik, 1/2,1. Abschn., 2. Kapitel. C, Anm. 1., in Hegel, G. F. W., Theorie Werkausgabe (Moldenhauer, E. - Michel, K. M. [Hrsg.]), VI. Frankfurt am Main 1970. 71.

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