Folia Theologica 21. (2010)
Fonk Peter: Sich dem unbegreifbaren Gott aussetzen. Sören Kierkegaards Kritika an der Hegelschen Trinitätsspekulation
SICH DEM UNBEGREIFBAREN GOTT AUSSETZEN 169 vom Widerspruch das formallogische Fundament für ein absolutes System versöhnter Widersprüche zu schaffen. Immer wieder, häufig in abgewandelter Form, taucht dieser Vorwurf auf. Er durchzieht das Gesamtwerk wie ein roter Faden. Allerdings kann der satirische Ton, den Kierkegaard nicht selten anschlägt, leicht darüber hinwegtäuschen, dass er ein sehr ernstes und ganz zentrales Problem anspricht. Einige Textbeispiele können das unschwer verdeutlichen: „Wie bekannt hat die Hegelsche Philosophie den Satz des Widerspruchs aufgehoben, und mehr als einmal hat Hegel selbst bündig über solche Denker Gericht gehalten, die in der Sphäre des Verstandes und der Reflexion verblieben und darum behaupteten, es gebe ein Entweder-Oder. Seit der Zeit ist es ein beliebtes Spiel, daß sobald einer von einem aut-aut munkelt, tripp-trapp-trapp ein Hegelianer zu Ross kommt (...), einen Sieg davonträgt und wieder nach Hause reitet"6 Eine Äußerung wie diese könnte zu der falschen Annahme verleiten, Kierkegaards Streit mit Hegel entspringe dem Beharren auf einer bizarren philosophischen Lehrmeinung, deren tatsächliche Relevanz aber vergleichbar sei mit dem sprichwörtlichen Streit um des Kaisers Bart. Auch eine Äußerung wie die folgende, gegen den Geist der eigenen, vom Denken Hegels geprägten Epoche könnte als Ressentiment eines verdrießlichen Querdenkers unterbewertet werden: „Die Gegenwart ist wesentlich die verständige, die leidenschaftslose, darum hat sie den Satz vom Widerspruch aufgehoben... Den Satz vom Widerspruch aufheben ist in der Existenz der Ausdruck dafür, daß man in Widerspruch zu sich selbst ist. Das schöpferische Allmächtige, das in der unbedingten Leidenschaft für das Entweder-Oder liegt, welche das Individuum in die entschlossene Einigkeit mit sich selbst bringt, wandelt sich zu der Extensität der Verstandesreflexion: dadurch daß man alles Mögliche weiß und ist, in Widerspruch mit sich selbst sein, d. h. gar nichts sein."7 Eine weitere Stellungnahme schließlich, diesmal in der Terminologie philosophischer Logik abgefasst, lässt zumindest erahnen, dass der Streit mit Hegel auf ein prinzipielles Problem zielt: „Die Identität ist daher eine niedrigere Anschauung als die Kontradiktion, die konkreter ist. Die Identität ist für die Existenz terminus a quo, nicht ad quem (...) 6 UN 464. 7 Eine literarische Anzeige, 17. Abtlg., 103.