Folia Theologica 21. (2010)

Fonk Peter: Sich dem unbegreifbaren Gott aussetzen. Sören Kierkegaards Kritika an der Hegelschen Trinitätsspekulation

168 Peter FŐNK lebenslang durchgehaltener Standpunkt machte ihn - so das Urteil Kroners - „hellsichtig für einen in der Tat bestehenden schweren Mangel der Hegelschen Metaphysik, für ihre religiös gesehen tödliche Schwäche, begründet in einem logischen Übermut, welcher der er­kennenden Vernunft etwas zumutet, was sie in der Tat nicht leisten kann."5 Diese Feststellung weist der weiteren Untersuchung den Weg, weil sie das Hauptanliegen von Kierkegaards Hegelkritik ans Licht hebt. Kierkegaard hat auf eine Gefahr aufmerksam gemacht, die von der Hegelschen Philosophie für den Bestand eines authentischen Christen­tums ausging. Er begab sich deshalb auf die Spur der zentralen Kate­gorien des von ihm beargwöhnten Denkens und verfolgte ihren Weg über die von Hegel verschwiegenen Voraussetzungen hinaus weiter bis hin zu ihrer äußersten Konsequenz, um so die Unmöglichkeit des Anspruchs aufzudecken. Deshalb nahm er das Unternehmen auf sich, das Scheitern der immanenten Logik der Hegelschen Philosophie durch die Aufdeckung ihrer aporetischen Grundvoraussetzung aufzu­zeigen. Von daher fand er dann - zumindest in seiner eigenen Sicht — zurück zu einer biblisch fundierten Christentumsdeutung. Dazu be­diente er sich des folgenden Verfahrens: Methodisch nahm er die Ar­gumente der gegnerischen Position ernst, überprüfte sie dann auf ihre innere Stimmigkeit, um schließlich im letzten Schritt ihre Prämissen kritisch zu befragen. Der Dreh- und Angelpunkt der inhaltlichen Auseinandersetzung mit Hegel liegt in der Interpretation des Satzes vom Widerspruch. Er ist das Eingangstor zur Kritik an einer Totalität beanspruchenden Weltdeutung, die sich anheischig macht, die christliche Theologie und die metaphysische Spekulation, Vernunft und Geschichte, Sein und Denken, kurz: diese vermeintlich grundlegenden Gegensätze als ver­mittelbare erkannt zu haben, weil sie gleichsam nur zwei Seiten der­selben Medaille sind. Das Widersprüchliche wird zum scheinbar Wi­dersprüchlichen, die Gegensätze sind nur noch vorläufige, weil sie in einer tieferen Identität gründen. Die Gesetze der Logik aber gelten uni­versal. Dieser Logik wirft Kierkegaard nun vor, dass sie den grundle­genden Unterschied zwischen Gott und Mensch eskamotiere. Diesen Tribut habe Hegel gezollt, um durch seine Uminterpretation des Satzes 5 Kroner, R., Kierkegaards Hegelverständnis, in Theunissen, M. - Grewe, W. (Hrsg.), Materialien zur Philosophie Sörén Kierkegaards, 428.

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