Folia Theologica 21. (2010)

Fonk Peter: Sich dem unbegreifbaren Gott aussetzen. Sören Kierkegaards Kritika an der Hegelschen Trinitätsspekulation

SICH DEM UNBEGREIFBAREN GOTT AUSSETZEN 167 bei Hegel abstieß, so sehr faszinierte ihn auf der anderen Seite die in­tellektuelle Versuchung, die von diesem Denken ausging. Diese Ein­schätzung ist im Übrigen in der Kierkegaard-Forschung allgemein konsensfähig. Sehr viel mehr umstritten ist allerdings die Frage, ob Kierkegaard das Anliegen der Hegelschen Philosophie tatsächlich verstanden habe. Adorno, dessen Habilitationsschrift eine in solch hohem Maße kritis­che Auseinandersetzung mit Kierkegaard darstellt, dass man in ihrem Ergebnis fast schon ein inquisitorisches Verdikt zu hören vermeint, urteilt in mitleidloser Schärfe: „Der Widersacher Hegel war in dessen Bann. Zugleich jedoch der Hegelschen Philosophie nicht ganz mächtig, taumelnd befangen wie ödipale Charaktere gegenüber Vaterfiguren."4 Psychologisch gesehen ist das ein schwerwiegender Vorwurf. Auf welche Sachgründe kann er sich aber berufen? Adorno argumentiert, indem er die missverstandene Übernahme Hegelscher Terminologie nachzuweisen versucht. Er bezieht seine Ein­wände auf drei Zentralbegriffe, die Kierkegaard seiner Meinung nach bei Hegel gründlich missverstanden habe. Deshalb, so Adorno, begibt er sich zeitweilig in die merkwürdige Lage, mit Hegel gegen Hegel zu argumentieren. Er wappnet sich mit gedanklichem Rüstzeug und weiß nicht, wem er es verdankt. Da sind zunächst die beiden Begriffe der „Vermittlung" und des „Sprungs" zu nennen. Im Rahmen dieses Vortrags muss aus Zeitgrün­den eine detaillierte Analyse ihrer Rezeption durch den dänischen Religionsphilosophen allerdings unterbleiben. Einzig der Einwand Adornos - Kierkegaard habe die Hegelschen Zentralkategorien der Vermittlung und des Sprunges grob missdeutet - soll zumindest ange­sprochen werden, um ihm, freilich nur in Form einer vorläufigen These, entgegen zu halten: Davon kann gar keine Rede sein. Eingestandenermaßen ist Kierkegaards Verständnis für das Anlie­gen Hegels begrenzt durch den Standort, den er selbst einnimmt. Die­ser Standort ist definiert durch das reformatorische Verständnis des Christentums. Unabhängig davon, wie leidenschaftlich Kierkegaard bisweilen aus den Festen seines geistigen Herkunftsortes auszu­brechen versuchte, er kehrte doch immer wieder in sie zurück. Sein 4 Adorno, Th. W., Kierkegaard noch einmal, in Theunissen, M. - Grewe, W. (Hrsg.), Materialien zur Philosophie Soren Kierkegaards, Frankfurt am Main 1979. 564.

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