Folia Theologica 21. (2010)

Fonk Peter: Sich dem unbegreifbaren Gott aussetzen. Sören Kierkegaards Kritika an der Hegelschen Trinitätsspekulation

166 Peter FŐNK der ab und sind doch untrennbar ineinander verwoben.' Dieses Urteil wird aus der Sicht anderer Kierkegaard-Forscher durchaus bestätigt. So spricht Hermann Deuser, einer ihrer profiliertesten Vertreter im deutschsprachigen Raum, denn auch von einem eigentümlichen Schwebezustand, in dem sich die Schriften Kierkegaards befinden, ausgespannt zwischen Dogmatik, Psychologie, Philosophie und mögli­chem Nihilismus.* 2 Es verwundert daher nicht, dass es von Kierkegaard selbst her eigentlich zwingend zu ambivalenten, einander widerspre­chenden Deutungen kommen muss. Die nach wie vor anhaltende Schwierigkeit, zu einem einhelligen Gesamturteil zu finden, wird durch Jürgen Moltmanns pointierte und zugleich spannungsgeladene Äußerung, es liege im Werk Kierkegaards eine „Allianz von theoreti­schem Atheismus und gläubiger Innerlichkeit"3 * vor, noch einmal be­stätigt. Dieser Vortrag verfolgt deshalb nicht das anspruchsvolle Ziel, eine Interpretation des Gesamtwerkes versuchen zu wollen. Er begnügt sich mit der weitaus bescheideneren Aufgabe, von den zahlreichen Motiven, die den dänischen Religionsphilosophen inspirierten, ein ein­zelnes näher zu untersuchen. Dieses aber darf wohl zu Recht bean­spruchen, einen zentralen Rang einzunehmen. Damit ist die Themenstellung formuliert, denn die Auseinander­setzung mit Hegel durchzieht Kierkegaards Schaffen wie ein cantus firmus. Kierkegaard, der versuchte, in der Auseinandersetzung mit einem der Exponenten des deutschen Idealismus die Kerngehalte des lutherischen Christentums wiederzugewinnen und zu rehabilitieren, hielt den Anspruch Hegels, das Christentum als absolute Religion be­greifen zu können, indem er ihren Wahrheitsgehalt auf den seiner Metaphysik zurückführte, für anmaßend und blasphemisch. Gleichzeitig aber gilt es zu sehen, dass Kierkegaards Verhältnis zu Hegel zeitlebens ein äußerst ambivalentes blieb. So sehr ihn auf der einen Seite die Prätention des besseren, weil begriffenen Christentums zum Tode (KT); Furcht und Zittern (FZ); Der Begriff Angst (BA); Unwissenschaft­liche Nachschrift (UN); Einübung im Christentum (E). Vgl. Guardini, R., Der Ausgangspunkt der Denkbewegung Sörén Kierkegaards, in Hochland 27/2 (1927) 12-33. 2 Vgl. Deuser, H., Kierkegaard. Die Philosophie des religiösen Schriftstellers, Darm­stadt 1985. 23. 3 Moltmann, }., Theologie der Hoffnung. Untersuchungen zur Begründung und zu den Konsequenzen einer christologischen Eschatologie, München 1969.8 56.

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