Folia Theologica 19. (2008)

Puskás Attila: Die Läuterung nach dem Tod - Neue Gesichtspunkte in der Enzyklika "Spe salvi" von Papst Benedikt XVI.

250 PUSKÁS, Attila wusstsein jede Schuld ins Gedächtnis und lässt es vor den Augen der Seele abspielen, was mit einer Art innerem Fieber und das Gewissen belastendem Schmerz einhergeht. Das Selbstbewusstsein ist in diesem Prozess, der die Läuterung mit sich bringt, gleichzeitig Zeuge und Kläger. In der Deutung des Origenes ist das läuternde Feuer also gle­ichzeitig Gericht und Selbstgericht: auf die Wirkung der göttlichen Kraft hin breitet es vor dem Gewissen des Menschen alle Sünden aus und wird in den daraus entstandenen Schmerzen geläutert. Wenn er das Gericht Gottes und das Selbstgericht des Gewissens des Menschen zusammenbindet, stützt er sich auf den Text von Röm 2,15, wo der Apostel im Zusammenhang des Gesetzes, das in das Herz der Heiden geschrieben ist, sagt: „ihre Gedanken klagen sich gegenseitig an und verteidigen sich - an jenem Tag, an dem Gott, wie ich es in meinem Evangelium verkündige, das, was im Menschen verborgen ist, durch Jesus Christus richten wird." Nach Origenes muss die Seele nicht nur von allen Resten der Sünde befreit werden, die jetzt unverhüllt ausge­breitet sind, sondern auch von jeder Art von Leidenschaft, die im irdi­schen Leben auf sie aufgeschüttet wurde (krankhafter Hass, Neid, Eifersucht). In dieser Läuterung muss sie auch die Schmach der Ähn­lichkeit mit sich selbst und der inneren Unordnung ertragen, bis sie im Feuer des reinigenden Leidens neu geworden ist.33 4.2 Die Entwicklung der Lehre vom Reinigungsfeuer in der frühen lateinischen Theologie Nach der Lehre des heiligen Ambrosius müssen alle, auch die Heili­gen, durch Feuer hindurch in das Paradies eintreten, dessen Eingang 33 De princ. n, 10,5; ebd. 202 f. Wir merken an, dass in der Nachfolge von Origenes auch Gregor von Nyssa von der Möglichkeit der Läuterung nach dem Tod weiß. In seiner Schrift Die Verstorbenen (Oratio de mortuis) sagt er: „Gottes Weisheit hat es so gefügt, daß den Menschen jenes Los trifft, das er sich selbst wählt. Er kann nämlich schon in diesem Leben durch Gebete und weises Handeln sich reinigen. Er kann auch erst nach dem Tode im reini­genden Feuer Läuterung von Gott empfangen ... Nach dem Auszug aus dem Leibe wird er erkennen, welch ein Gegensatz die Tugend von der Sünde tren­nt. Er wird nicht an dem göttlichen Sein teilnehmen können, außer wenn das Reinigungsfeuer die seiner Seele zugefügte Makel tilgt." Enchir. Patr. 1061; zit. bei Schmaus, M., Katholische Dogmatik, IV/2, München 1953,155.

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