Folia Theologica 19. (2008)

Puskás Attila: Die Läuterung nach dem Tod - Neue Gesichtspunkte in der Enzyklika "Spe salvi" von Papst Benedikt XVI.

DIE LÄUTERUNG NACH DEM TOD 251 von einem Cherub mit einem Flammenschwert bewacht wird. Sie müs­sen so durch das Feuer hindurchgehen wie Israel durch das Rote Meer: die Gerechten entkommen, die Bösen verderben. Nach Ambrosius hat das Feuer eine dreifache Wirkung: für die Gerechten hat es eine auf­frischende Wirkung; für die Gottlosen, die Glaubensabtrünnigen und die verstockten Sünder ist es Strafe und Schmach; und für die Sünder, die im Grunde in der Liebe leben, aber kleinere Sünden begehen, hat es eine reinigende Wirkung, das heißt das Feuer reinigt sie im Maße der Schwere ihrer Sünden in einer längeren oder kürzeren Zeitdauer, in einer schmerzlicheren oder gelinderten Form. Das Feuer befreit also solche Sünder, die das Liebesgebot nicht vollständig erfüllt haben, aber doch im Grunde als Gottes Diener gelebt haben. Ambrosius lehrt auch entschieden, dass wir durch das fürbittende Gebet die Leiden der zu Läuternden lindern können.34 Wir merken hier an, dass - gestützt auf den biblischen Text Dan 3,22-50, wo wir lesen, dass das Feuer den drei Jünglingen nicht schadet, aber die Chaldäer zerstört, das „vernünftige, geistige Feuer (ignis sapiens)", das auf die Gerechten, auf die Bösen und auf diejenigen, die nur unbedeutende Sünden begangen haben, verschiedene Wirkung ausübt, zu einem weithin verbreiteten deuten­den Topos für 1 Kor 3,10-15 geworden ist (vgl. Ambrosiaster, Laktanz, Hilarius, Hl. Paulinus von Nola, Caesarius von Arles, Cassianus). Der hl. Augustinus (354-430) entwickelt im Zusammenhang mit der Deutung des Textes 1 Kor 3,10-15 gegenüber der sogenannten „Barm­herzigen" in seinem Werk De Civitate Dei, dass auf Christus als Funda­ment zu bauen, nicht nur bedeutet, an Christus zu glauben. Das alleine ist nicht genug für die Rettung, wenn aus diesem Glauben nicht Taten der Liebe und das Einhalten der Gebote fließen. Wenn jemand be­hauptet, dass er an Christus glaubt, aber unmoralisch lebt, baut er sein Leben nicht wirklich auf Christus, Christus ist nicht in seinem Herzen und so wird er auch nicht gerettet. Wenn Christus bei jemand an erster Stelle im Leben steht, und wenn er die irdischen Freuden und Genüsse der Lehre Christi entsprechend geordnet lebt, und wenn es nötig ist, auch darauf verzichten kann um des Bekenntnisses seines Glaubens an Christus willen, der baut wirklich auf Christus. Ein solcher Mensch wird gerettet „wie durch Feuer hindurch". Nach Augustinus bedeutet dieses Feuer jene Traurigkeit, die ein Mensch durchleben muss, der sich in geordneter Weise an irdische Dinge und Menschen gebunden 34 Sermo 20 PL 15.1487; Sermo 3 PL 15.1227.

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