Folia Theologica 19. (2008)

Puskás Attila: Die Läuterung nach dem Tod - Neue Gesichtspunkte in der Enzyklika "Spe salvi" von Papst Benedikt XVI.

DIE LÄUTERUNG NACH DEM TOD 249 Auch Origenes entwickelt seine eschatologischen Ansichten im Grunde im Rahmen der Idee der „paideia". Zusammen mit Clemens, und wenn möglich noch nachdrücklicher, behauptet er, dass Gott uns nur zu unserem Wohl, im Interesse der Läuterung Leiden zukommen lässt. Jede Züchtigung Gottes dient der Verbesserung derer, die sie er­leiden, sie ist eine Wohltat und Heilung für sie. Aufgrund der teilweise allegorischen, teilweise buchstäblichen Deutung alttestamentlicher Stellen, ihrer symbolischen Bedeutung, verbindet Origenes den reini­genden Prozess mit dem biblischen Bild des Feuers und erklärt auch den Text von 1 Kor 3,12-15 ausgehend von diesem volleren biblischen Sprachgebrauch.27 Läuterung ist auch bei ihm nicht nur ein Prozess der Befreiung von den Sünden und Leidenschaften auf Erden und nach dem Tod, sondern auch wie eine Schule der Seelen in der Vermehrung der Gotteserkenntnis und der Weisheit, die auf die ewige Schau Gottes vorbereitet.28 Jede Seele braucht die Läuterung im Feuer, damit die Schlacke vom Gold getrennt wird, und der Mensch so Zuflucht finden kann. Ihre Dauer und ihr Grad sind je nach Ausmaß der Schuld ver­schieden. Die Läuterung ist sowohl für die Seele als auch für den Leib sehr schmerzlich29, sie ist wie das Gehen durch Feuer für die30, die noch nicht vollständig geläutert sind in der Taufe des Heiligen Geistes31. Der ursprüngliche Gedanke des alexandrinischen Theologen ist, dass er die reinigende und Leiden verursachende Wirkung des Feuers moralisch, als Gewissensbisse des Menschen deutet. Biblische Grundlage dafür ist bei ihm der Text von Jes 50,11 und Röm 2,15. Die alttestamentliche Stelle liest er allegorisch und kommt auf folgende Folgerung: „Es scheint, er gibt uns mit diesen Worten bekannt, dass jeder einzelne der Sünder in dieses Feuer geworfen wird, das er sich selber angezündet hat, und nicht in ein solches, das jemand anderer schon vorher an­gezündet hat oder das vor ihm verursacht worden wäre."32 Indem er 1 Kor 3,12 im Licht der Stelle von Jesaja deutet, erscheinen Holz, Heu und Stroh als Brennmaterial, welches die quälenden Gewissensbisse symbolisiert. Mit göttlicher Kraft ruft in diesem Prozess das Selbstbe­27 De prine. II, 10,6; vö. Jes 4,4; 47,14; 66,16; Mal 3,3. 28 De prine II, 11, 5; uo. 212 f. 29 Comm in Matt 20; vgl. Comm in Jo 13,23; Horn in Jer 20,8. 30 Horn in Jer 1,3. 31 Hóm in Ez 1,13. 32 De prine. II, 10,4.

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