Folia Theologica 19. (2008)

Puskás Attila: Die Läuterung nach dem Tod - Neue Gesichtspunkte in der Enzyklika "Spe salvi" von Papst Benedikt XVI.

244 PUSKÁS, Attila lika: „Einige neuere Theologen sind der Meinung, daß das verbren­nende und zugleich rettende Feuer Christus ist, der Richter und Retter. Das Begegnen mit ihm ist der entscheidende Akt des Gerichts. Vor seinem Anblick schmilzt alle Unwahrheit. Die Begegnung mit ihm ist es, die uns umbrennt und freibrennt zum Eigentlichen unserer selbst. Unsere Lebensbauten können sich dabei als leeres Stroh, als bloße Großtuerei erweisen und zusammenfallen. Aber in dem Schmerz die­ser Begegnung, in der uns das Unreine und Kranke unseres Daseins of­fenbar wird, ist Rettung. Sein Blick, die Berührung seines Herzens heilt uns in einer gewiß schmerzlichen Verwandlung ,wie durch Feuer hin­durch'. Aber es ist ein seliger Schmerz, in dem die heilige Macht seiner Liebe uns brennend durchdringt, so daß wir endlich ganz wir selber und dadurch ganz Gottes werden" (Nr. 47). Der Text nennt die allgemein erwähnten neueren Theologen nicht beim Namen, aber es ist bestimmt nicht falsch, wenn wir an erster Stelle an Hans Urs von Balthasar denken, auf den Joseph Ratzinger in seinem Werk Eschatologie, im Kapitel über das Fegefeuer mehrfach ver­weist, oder aber auch in den Textstellen, wo gerade davon die Rede ist, dass Christus persönlich das „Eschatos" für den Menschen ist.23 Rat­zinger hat bereits 1977 in dieser Arbeit das Gericht und die Läuterung nach dem Tod eindeutig christologisch gedeutet, ja er hält dies für den ursprünglichen und eigentlichen Inhalt der christlichen Eschatologie. In seiner Enzyklika vertritt er diesen Standpunkt nun auch als offizielle päpstliche Lehre. Papst Benedikt XVI. betont in seinem Rundbrief nachdrücklich, dass die göttliche Gerechtigkeit und Gnade untrennbar zusammengehören. „Gott ist Gerechtigkeit und schafft Gerechtigkeit. Das ist unser Trost und unsere Hoffnung. Aber in seiner Gerechtigkeit ist zugleich Gnade. Das wissen wir durch den Blick auf den gekreuzigten und aufer­standenen Christus" (Nr. 44). Etwas später dann im ausdrücklichen Kontext der Läuterung nach dem Tod formuliert er dies so: „Das Ge­23 Ratzinger, J., Eschatologie, 187 f. Die Schriften Balthasars, auf die er sich be­zieht, sind folgende: Balthasar, H.U.v., Eschatologie, in Feiner, F.-Trütsch, J.-Böckle, F., Fragen der Theologie heute, Einsiedeln 1971, 403-421; Ders., Eschatologie im Umriß, in ders., Pneuma und Institution, 410-455. Wir weisen darauf hin, dass Balthasar auch in seinen späteren Werken das Gericht und die Läuterung als Begegnung mit Christus deutet. Vgl. Theodramatik IV, Einsiedeln 1983, 264-273; Was dürfen wir hoffen?, Einsiedeln 1986; Kleiner Diskurs über die Hölle, Ostfildern 1987.

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