Folia Theologica 19. (2008)
Puskás Attila: Die Läuterung nach dem Tod - Neue Gesichtspunkte in der Enzyklika "Spe salvi" von Papst Benedikt XVI.
DIE LÄUTERUNG NACH DEM TOD 243 schlossen werden muss; die gute Richtung des Willensreicht nicht, das Gute muss die ganze Denkweise, die Gefühlswelt und den Willen durchdringen. Im schmerzlichen Prozess der Neugestaltung muss man von der Gleichgültigkeit, vom Hochmut, von der nur halbherzigen Verpflichtung, vom Selbstmitleid, von der Heuchelei und von den oft im unterbewussten versteckten Verletzungen geläutert werden. Die Liebe Gottes wandelt in Gerechtigkeit um. Wer die Vergebung Gottes annimmt, muss sich die Gerechtigkeit Gottes zu eigen machen, muss die Heiligkeit Gottes lieben, muss seine halbherzige Liebe vor dem Angesicht Gottes durchleben, sodass er im Schmerz darüber geläutert zu einer Form für das Wesen des Guten werden kann.21 In der Deutung Benedikts XVI. ist die Läuterung ebenfalls ein Aufdecken der Unreinheit und die Heilung der Krankheit der Seele (Nr. 47). Nocke deutet in seiner Eschatologie die Läuterung als vollendendes Leiden: es ist gleichzeitig beglückend, weil es befreit und vollendet, und doch schmerzlich, weil es die Schlacke, die Teil von einem geworden ist, wegschmilzt.22 Die päpstliche Enzyklika formuliert einen ähnlichen Gedanken, wenn sie davon spricht, dass wir durch die Läuterung „ganz wir selber" werden, „endlich ganz wir selber und dadurch ganz Gottes werden in einer schmerzlichen, aber gleichzeitig seligmachenden Umwandlung (Nr. 47). In der Lehre der Enzyklika Spe salvi fällt im Vergleich mit den früheren Lehramtsäußerungen der markant neue Akzent in einer vor allem christologischen Betrachtungsweise auf. Ausgehend von 1 Kor 3,12-15 deutet der Papst die Läuterung nach dem Tod als Teil des Gerichtes, welches in der persönlichen Begegnung mit dem richtenden und heilbringenden Christus geschieht. Nach der Lesart des Papstes lehrt der Apostel Paulus, dass das Feuer des Gerichtes Gottes die Menschen in verschiedener Weise, entsprechend ihrem Zustand betrifft. Die Heil- werdung des Menschen kann in verschiedenen Formen geschehen, für das Heil muss er persönlich durch das „Feuer" des Gerichtes gehen, in der Begegnung mit Christus. Der Papst beruft sich klar auf den Standpunkt der zeitgenössischen Theologen, nach denen das brennende und befreiende Feuer Christus selber ist. Wir lesen folgendes in der Enzyk21 Guardini, R., Die letzten Dinge, Würzburg 1952, 25-40. 22 Vgl. Nocke, F.-J., Eszkatológia, in Schneider, A dogmatika kézikönyve II, Bp. 1997, 485-486, (Th., Nocke, F.-J., Eschatologie, in Schneider, Th., Handbuch der Dogmatik II, Düsseldorf 1992).