Folia Theologica 19. (2008)

Puskás Attila: Die Läuterung nach dem Tod - Neue Gesichtspunkte in der Enzyklika "Spe salvi" von Papst Benedikt XVI.

230 PUSKÁS, Attila des Ostens beim Letzten Gericht, und die Läuterung ist Teil des Letz­ten Gerichts. Während die lateinische Theologie von der Läuterung grundlegend und traditionell in Begriffen wie Sündenschuld, Strafe, Sühne, Genugtuung, wiedergutmachende Leiden spricht, die eine Auf­fassung von Sünde als Schuld-Abgeltung voraussetzen und mit einem rechtlichen Sprachgebrauch das Ereignis der Begegnung des sündigen Menschen mit dem heiligen Gott ausdrücken, so betrachtet auf der an­deren Seite die griechische Theologie, weil sie in der Sünde eher eine moralische und seelische Krankheit sieht, die Weise, zum Heil zu ge­langen, als ein heilendes Tun der göttlichen Liebe und Geduld. Papst Benedikt XVI. setzt nun in seiner Enzyklika die westliche Tra­dition der „Fegefeur"-Lehre so fort, dass er auch die Gesichtspunkte der östlichen Theologie in Betracht zieht. Er bekennt sich zum indivi­duellen Gericht nach dem Tod, aber eigentlich fasst er die Läuterung als organischen Teil dieses Gerichtes auf. Mit der lateinischen Tradi­tion wiederholt er, dass die göttliche Gerechtigkeit und sein Erbarmen unzertrennbar zusammengehören, aber er beschreibt die Läuterung nach dem Tod nicht mit den gewohnten und objektiven Kategorien der rechtlichen Sprache (Strafe, Schuld, Genugtuung, Sühne, Purgato­rium), sondern als ein Ereignis persönlicher Begegnung mit Christus. Die Intention, die beiden Sichtweisen zu verbinden, ist zum Beispiel deutlich darin zu erkennen, dass er den Gegenstand der Läuterung in der „Unreinheit" und „Krankheit" unseres Wesens, bzw. in den mit dem Bösen geschlossenen Kompromissen sieht (Nr. 46-47), eine Termi­nologie, die auch für die orthodoxe Terminologie nicht fremd wirkt. Wir können auch das nicht als rein zufällig betrachten, dass er seine Lehre gerade mit Hilfe des Textes 1 Kor 3,12-15 und dem Bild „läutern­des Feuer" ausfaltet, da dies eine Bibelstelle und eine Symbolik für das Letzte Gericht sind, die auch in der östlichen Tradition bekannt und gebräuchlich sind.15 15 Der Papst hätte sich auch auf andere Bibelstellen berufen können, die in der westlichen Tradition zur Stützung der Lehre über das Purgatorium wichtig waren, die aber eher eine Deutung im Sinne von Schuldenerlass und Ge­nugtuung nahe legen. Vgl. Mt 5, 23-26.

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