Folia Theologica 19. (2008)

Puskás Attila: Die Läuterung nach dem Tod - Neue Gesichtspunkte in der Enzyklika "Spe salvi" von Papst Benedikt XVI.

DIE LÄUTERUNG NACH DEM TOD 227 Schlechten und den zur Reinigung fähigen Verstorbenen lindert es den Schmerz. Die Entstehung der Fegefeuerlehre wurde auch durch die kirchliche Bußpraxis begünstigt, die die Einheit von Gnade und Bekehrung vor­aussetzt.12 Wenn jemand in der alten Kirche eine schwere Sünde be­gangen hatte (Glaubensabfall, Götzenverehrung, Ehebruch, Mord), konnte er als Büßer öffentlich Sühne ableisten, die vom Bischof be­stimmt worden war, und nach einer strengen Wiedergutmachung und konkreten Taten der Buße (Fasten, Gebet, Almosen usw.) konnte er von Gott die Sündenvergebung erlangen. Ausdruck und Garant dieser Versöhnung mit Gott war die feierliche Wiederaufnahme in die kirch­liche Gemeinschaft durch den Dienst des Bischofs. Die Versöhnung mit der Kirche als Gottes Heilsgemeinschaft war Zeichen und Werk­zeug der Versöhnung mit Gott (pax cum Ecclesia, pax cum Deo). Bei der Spendung der Krankensalbung konnte die Zeit der kanonischen Sühne verkürzt werden, und in Todesgefahr konnte die Versöhnung mit der Kirche, bzw. dadurch mit Gott sofort geschehen. Im Zusam­menhang damit entstand die Überzeugung, dass die Sühne, die vor dem Tod nicht abgeleistet worden war, in der Reinigung nach dem Tod möglich ist und dort fortgesetzt oder ersetzt werden muss.13 Der 12 Vgl. Müller, G. L., Katholische Dogmatik, Für Studium und Praxis der Theolo­gie, 3. Aufl., Freiburg i. Br. 1998, 548 f. 13 Vgl. Cyprianus, Epist. 55,20. In der Theologie des hl.Cyprian (ca. 200-258) ist der Gedanke der Läuterung nach dem Tod eng mit der Frage verbun­den, ob die bei der Christenverfolgung des Decius Abgefallenen Heil er­langen können, bzw. mit der Rolle der kirchlichen Ordnung des Sündenbe­kenntnisses und der Sündenvergebung. Der Bischof von Karthago lehrt, dass die Märtyrer direkt nach dem Tod zum endgültigen Heil gelangen. Die Situation der Christen, die guten Willens waren, aber sich als schwach erwiesen, war ein wirkliches pastorales Problem. Aus Angst haben sie Christus öffentlich verleugnet, aber tatsächlich wollten sie Christen bleiben und baten um Aussöhnung mit Gott und mit der Kirche (pax cum Deo et cum ecclesia). Während die Rigorosen meinten, dass die Kirche keine Voll­macht habe zur Vergebung der schwersten Sünden nach Erhalt der Taufe (Glaubensabfall, Götzendienst, Mord, Ehebruch), nahm Cyprian die Abge­fallenen nach Sündenbekenntnis und harter Sühne wieder in die Kirche auf. Er behauptete, dass die Sünde-Schwachheit der Abgefallenen nicht ihre Fähigkeit zur Läuterung hinwegnimmt. Die Möglichkeit dazu liegt im Ausführen der von der Kirche vorgeschriebenen Übungen zum Sündenbe­kenntnis und zur Sühne. Aufgrund von Mt. 5,26 lehrte er, dass, wenn die Sühne im irdischen Leben noch nicht vollendet ist, diese auch nach dem

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