Folia Theologica 19. (2008)
Puskás Attila: Die Läuterung nach dem Tod - Neue Gesichtspunkte in der Enzyklika "Spe salvi" von Papst Benedikt XVI.
228 PUSKÁS, Attila Bischof konnte auf das Fürbittgebet der Märtyrer und Glaubensbekenner hin bereits vor der vorgesehenen Sühnezeit die Versöhnung mit der Kirche gewähren oder er konnte das Ausmaß der Sühne verringern. Der Glaube an die Wirksamkeit des fürbittenden Gebetes der Kirche galt auch für den Zustand nach dem Tod. Wenn der Büßer vor seinem Tod die Genugtuung nicht leisten konnte und so für ihn noch Läuterung nach dem Tod notwendig war, konnte ihm die irdische Kirche in dieser Läuterung helfen, vor allem deren heilige Mitglieder, und die priesterlichen Gebete, die die Fürbitte der ganzen Gemeinschaft ausdrückten. Die Einheit von Bekehrung und Gnade blieb auch in der späteren Bußpraxis ein Grundprinzip, als die geheime Einzelbeichte den Prozess des öffentlichen Ausschlusses aus der Gemeinschaft ablöste. Wenn nun der Büßer bereits direkt nach dem Sündenbekenntnis die Absolution erhielt, d.h. die Versöhnung mit Gott und mit der Kirche geschehen ist, so blieb es weiterhin seine Aufgabe, die vorgeschriebene Genugtuung und Sühne zu leisten, den verursachten Schaden wieder gut zu machen und sich die Folgen seiner Sünde bewusst zu machen. Im Westen wurde das eher als wiedergutmachende/strafende Genugtuung betrachtet, im Osten eher als Heilung für die von der Sünde verursachten Wunden. Trotz des Wandels in der Reihenfolge der Bußpraxis blieb das Grundprinzip, dass die göttliche verzeihende Gnade und die persönliche Bekehrung eine Einheit bilden. Es blieb auch die Überzeugung, dass, wenn jemand nicht vollständig die Folgen seiner Sünde in sich selbst vor seinem Tod liquidieren kann, dann braucht er die Läuterung nach dem Tod. Tod weiter gehen kann. Ein Sünder, der Sühne leistet und stirbt, bevor die von der Kirche bestimmte Sühne abgelaufen ist, muss im Jenseits die Genugtuung abschließen. Im Brief an Antonianus (Epist. 55) verwendet Cyprian auch die Wendung „Läuterung durch Feuer", um die Besserung durch Leiden und Sühne auszudrücken. In diesem Läuterungsprozess kommt auch dem wirkungsvollen fürbittenden Gebet der Kirche eine wichtige Rolle zu, vor allem dem Gebet der Bischöfe und der Märtyrer, die ausdauernd im Glauben Leiden ertragen haben, bzw. dem Gebet von gefolterten Gläubigen. Mit der Behauptung der Möglichkeit und der Notwendigkeit der Läuterung nach dem Tod und auch der Fortsetzung und Vollendung der auf Erden begonnen Läuterung, um sich mit Gott und mit der Kirche zu versöhnen, hat Cyprian einen zentralen Gedanken der Lehre über das Purgatorium formuliert .Vgl. Vanyó, L., Az ókeresztény Egyház és irodalma, (Die altchristliche Kirche und ihre Literatur) in: Óí, I, Budapest, 1980, 443-456.