Folia Theologica 19. (2008)

Kuminetz, Géza: Die Teilnahme des katholischen Menschen am öffentlichen Leben im Lichte der gesellschaftsphilosophie von Sándor Horváth O. P.

DIE TEILNAHME DES KATHOLISCHEN MENSCHEN 179 wähnt die diesbezüglichen Passagen der pastoralen Konstitution Gau­dium et spes des Zweiten Vatikanischen Konzils, oder ebenfalls unter Ausserachtlassung der unter dem Pontifikat von Johannes Paulus II. herausgegebenen, die soziale Lehre der Kirche erörternden Enzykliken mit den Anfangsworten Laborem exercens, Sollicitudo rei socialis und Cen­tesimus annus, körmen wir ihre wesentlichen inhaltlichen Gleichheiten mit den Gedanken unseres katholischen Gesellschaftsphilosophen konstatieren.53 54 Unser Verfasser versammelte die Teilnahme des Gläu­bigen an der Politik in 19 Punkte.55 Wenn wir die Feststellungen des Lehramtes von heute berücksichtigen, können wir bemerken, dass die Gedanken von Horváth von der offiziellen Lehre der Kirche vollkom­men verstärkt werden. Wir müssen sogar traurig bewusstmachen und zur Kenntnis nehmen, dass sich die Gesellschaften seit der Entstehung der Schriften von Horváth - unserer Meinung nach - weiter dämon- isiert haben, und dieser Vorgang macht die Grundwahrheit des katho­lischen Glaubens über die Erbsünde beinahe empirisch handgreiflich, 53 „Die Soziallehre der Kirche argumentiert von der Vernunft und vom Na­turrecht her, das heisst von dem aus, was allen Menschen wesensgemäss ist. Und sie weiss, dass es nicht Auftrag der Kirche ist, selbst diese Lehre politisch durchzusetzen: Sie will der Gewissensbildung in der Politik die­nen und helfen, dass die Hellsichtigkeit für die wahren Ansprüche der Gerechtigkeit wächst... hat die Kirche die Pflicht, auf ihre Weise durch die Reinigung der Vernunft und durch ethische Bildung ihren Beitrag zu leis­ten, damit die Ansprüche der Gerechtigkeit einsichtig und politisch durch­setzbar werden... Die Kirche kann nicht und darf nicht den politischen Kampf an sich reissen, um die möglichst gerechte Gesellschaft zu verwirk­lichen. .. Aber sie kann und darf im Ringen um Gerechtigkeit auch nicht abseits bleiben... Liebe - Caritas - wird immer nötiger sein, auch in der gerechtesten Gesellschaft. Es gibt keine gerechte Staatsordnung, die den Dienst der Liebe überflüssig machen könnte." Vgl. BENEDIKT XVI.: Deus caritas est, Rom, am 25. Dezember 2005 [Az Isten Szeretet, Budapest 2006, 33-34.] 54 Die spezifische Eigenschaft der Dokumente der Lehramtes ist es, dass sie im allgemeinen über diesen Problembereich sprechen, weil sich in ihnen die Tugend des veranwortungsvollen Pastors offenbart, während einige Theologen, entsprechend der Tugend des Gelehrten, mit ihrer wissen­schaftlichen Methodischheit versuchen, mit Rücksichtnahme auf die Forde­rungen des Theorieschaffens die Ergebnisse ihrer Analyse zu systematisie­ren. Das befindet sich natürlich nicht im Gegensatz zu der Feststellung, dass sich auch in den Äusserungen des Lehramtes eine Art von Mentali­tät,Theorie widerspiegelt. 55 Siehe den ANHANG am Ende der Studie.

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