Folia Theologica 19. (2008)
Kuminetz, Géza: Die Teilnahme des katholischen Menschen am öffentlichen Leben im Lichte der gesellschaftsphilosophie von Sándor Horváth O. P.
DIE TEILNAHME DES KATHOLISCHEN MENSCHEN 177 kann. Die weise Führung wird von den Bürgern angenommen, sie folgen also den weisen Befehlen ohne besonders grosse Schwierigkeiten, sogar dann, wenn das von ihnen Opfer verlangt. Falls aber stattdessen der wütende Kampf der Parteien den Platz der einverstandenen Bestimmung und Verwirklichung des Allgemeingutes einnimmt, ist das ein Zeichen für das Dämonisieren des öffentlichen Lebens. Die Situation ist noch schwieriger, wenn die offizielle Ideologie des Staates gottfeindlich ist, denn in diesem Falle ahmen die Leiter den Hochmut des Satans nach, oder mit einem stärkeren Ausdruck gesagt, sie verkörpern ihn. Das kann sich auf zwei Weisen äussem: in der Selbstvergöttlichung beziehungsweise im Stürzen oder Sein der Knechtschaft. Daraufhin befeuert natürlich der Satan, der geborene Zerteiler auch die Feinde des Staates, die heimlichen Gesellschaften und die Unterwelt. Inzwischen werden die Bürger immer grober, wilder und rebellischer. Eine andere entsetzliche Erscheinung des staatlichen Dämonismus ist die Knechtschaft. In diesem Zustand ist der Staatsbürger de facto nicht mehr frei, nur vor dem Recht des Staates, weil er nicht Gott dient, das heisst nicht auf dem Boden der Wahrheit steht; er „folgt" auf blödsinnige Weise, was ihm die Medien eingeben. So hat der Mensch alle Anhaltspunkte verloren, mit deren Hilfe er seine Lage auf objektive Weise ermessen könnte, infolgedessen ist er nicht mehr sein eigener Herr. Wer aber Gott dient, beherrscht sich selbst; seine Taten werden nicht durch seine Leidenschaften und dämonische Anregungen, sondern durch den vom Gott aufgeklärten Verstand und den verstärkten Willen geführt. Das wäre die sinnvolle Neigung vor dem Schöpfer, das heisst die menschenwürdige Religion (obsequium religiosum). Wenn es Diener gibt, gibt es im Reich des Satans auch Herren, die die Schwachen bewusst und auf boshafte Weise unterjochen, und sie als Mittel für ihre eigene Zwecke benutzen. Ihre Sünde ist also grösser, unvergleichlich grösser, als die der vorigen! Das ist die Strategie 'Milhonen für einen'. Treffend bemerkt Sándor Horváth, dass sich der eine verändert hatte, blieben jedoch die Millionen immer. Als die letzte Form des Dämonismus stellt Horváth das Umsichgreifen der Wünsche des Leibes, also die entfesselte, grausame Herrschaft der sinnlichen Freuden vor, die die Festigkeit und Reinheit nicht nur des Ehelebens, sondern auch der ganzen Gesellschaft zerrüttet. Die katholische Theologie versammelte unter den sieben Hauptsünden die sündhaften Veranlassungen, die die letzten und äussersten immanenten Verantwortlichen für das Dämonisieren der menschlichen