Folia Theologica 19. (2008)
Kuminetz, Géza: Die Teilnahme des katholischen Menschen am öffentlichen Leben im Lichte der gesellschaftsphilosophie von Sándor Horváth O. P.
176 KUMINETZ, Géza Die Verblendung, das heisst das Dämonismus kann sich auch auf das geistliche Leben des Menschen übertragen, was Horváth als Dä- monisieren des psychologischen Ichs beschreibt. Von Natur aus sehnt sich der Mensch nach dem Wissen, nach der kulturellen Entwicklung, der Aneignung der Künste, denn sie sind alle das Leben bereichernden Tätigkeiten, die letzten Endes im Dienste des Glücks stehen. Aber wenn beim Erwerben und Verwenden des Wissens anstatt der Demut Hochmut vorherrscht, wird das so in dämonische Verwirrung und Unruhe überspringen. In diesem Falle kommt man statt der Wahrheit nur zur Betonung der eigenmächtigen Vermutungen, was sich zu einem entschlossenen Kampf gegen die Wahrheit verbreitet. Vielleicht das können wir die Sünde gegen den Heiligen Geist nennen, die nicht zu verzeihen ist, denn man ringt mit der offensichtlicher Wahrheit, und ihr will er widersprechen, beziehungsweise gegen sie tun. Das Ergebnis: unterweltlicher Wirrwarr, Hoffnungslosigkeit, Furcht vor der Macht des an sich Rechten, dessen Bewusstsein, mindestens die Möglichkeit nicht einmal diese dämonische Verhaltensweise aus- schliessen kann. Dieser Zustand ist der ohne Weltanschauung, dessen Endstation das Nihilismus ist. Und das Nihilismus treibt die menschliche Seele gerade unter die Herrschaft des Satans. In diesem Zustand gibt es keinen Anhaltspunkt, mit dessen Hilfe man die Wahrheit als einen Rettungsgürtel ergreifen könnte; und was übrig bleibt, ist das reine Relativismus, das die Spaltung, das heisst die Entzweiung des psychischen Ichs verursacht. Horváth legt die dämonisierenden Wirkungen der Künste nicht eingehend dar, die sich nach ihm darin äussern, dass sie nicht der Veredelung des Geistes dienen, sondern gerade umgekehrt, das Zugrunderichten der Seele und des Geistes vorbereiten. Der dritte Bereich, der zu dämonisieren ist, ist die Gesellschaft selbst.50 Der Mensch ist ein Gesellschaftswesen, und deswegen braucht er eine auf richtige Weise hierarchisch aufgebaute Gesellschaft, an deren Spitze der Leiter steht, der das ganze Volk mit Rücksicht auf das Allgemeingut und auf Gottes Gesetze weise führt. Deshalb ist der Vorzug der Leiter die weise Führung, das politische Klarsehen, das sich aber wegen der Leidenschaften oder der gegensetzlichen Ziele trüben 50 Vgl. HORVÁTH, S., Angyalok - démonok [Engel - Dämonen], in Vigília (1949) 90-96.