Folia Theologica 19. (2008)

Kuminetz, Géza: Die Teilnahme des katholischen Menschen am öffentlichen Leben im Lichte der gesellschaftsphilosophie von Sándor Horváth O. P.

DIE TEILNAHME DES KATHOLISCHEN MENSCHEN 175 doch mindestens eines: man darf das Vermögen nur als Mittel und nicht als Ziel betrachten. Der dämonische Gebrauch der Güter möchte diese vom Gott gebrachte Einschränkung aufheben. Von diesem Ge­sichtspunkt aus will der dämonisch denkende Mensch sein Vermögen auf jeden Fall versichern, nur er darf an nichts Mangel leiden. Die Dämonen erschrecken natürlich auch die Armen mit dieser Gefahr, sie reden ihnen ein, dass Gott sie verlassen hat; dass sogar Er selbst ihnen diese Not bereitete. Die Wahrheit ist aber entgegengesetzt: der Grund dafür ist gerade die menschliche Lieblosigkeit und Ungerechtigkeit. Die Staatsmacht, die die gesellschaftliche Verbreitung des Bösen nicht bemerken will, dient gleichfalls dem Dämonismus. Die hässlichste Form der mit den Gütern zusammenhängenden Entgleisung ist das aus Hochmut entstehende Verhalten, das den Menschen als den ab­soluten Herrn der Schöpfung glaubt und glauben lässt, folglich denkt dieser Mensch, dass er mit seinen Gütern und seiner Macht alles machen kann, sogar das, was mit der moralischen Ordnung entge­gensetzt ist. Mit Hilfe der Technik und Wissenschaft erforscht man die Gesetze der Natur, und kann solche Maschinen bauen, die ihm bei der Eroberung der materiellen Welt helfen, und sie ihm das Leben erträg- barer machen, ausserdem helfen sie bei den Ausgestaltungen von Vor­aussetzungen, mit deren Hilfe man ein tugendhaftes, Gott gefälliges Leben führen kann. Das wäre das irdische Glück. Der Satan aber zer­stört das auch, wenn diejenigen, in deren Besitz die sogar so konge­nialen Erfindungen gelangen sind, sie zu bösen Zwecken verwenden. Denken wir nur an die Praktiken der geldgierigen Welt, mit deren „Hilfe" Kriege ausgebrochen sind. Diese Praktiken haben nur ein ein­ziges Ziel, und zwar den Gewinn und das Erregen des Hasses zwi­schen den Völkern. Nach Horváth „war es immer schwierig, die Ge­rechtigkeit des Krieges zu beweisen". Auch das Pazifismus um jeden Preis ist eine falsche Vorstellung, aber es ist eine viel grössere Sünde, den Krieg mit einer ähnlichen Entschlossenheit zu suchen. Zu den Maschinen zurückkommend, wenn sie in den Dienst des Mammons gelangen, hören sie auf, gute Freunde des Menschen zu sein. Die in Maschinen angelegte Energie wird zur dämonischen Kraft, zum grausamen Mittel der Verängstigung sein. Da das moralische Bewusst­sein der Mehrheit der Gelehrten von heute bewusst - gelinde gesagt - brachlag und brachliegt, lebt ein bedeutender Teil der Gelehrten mit dem Bewusstsein, dass sie mit ihrer wissenschaflicher Arbeit dem Vaterland oder einem äusserst edlen Zweck dienen.

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