Folia Theologica 18. (2007)
István Ancsin: Die Hoffnung Aaf das Heil bei Hans Urs von Balthasar
38 I. ANCSIN tes Liebe, die am Anfang seines Schöpfungsentschlusses stand und die er selbst in seiner geschichtlichen Selbstoffenbarung als unbedingt bewährt hat, erst dann an ihr Ziel gelangt ist, wenn sie jeden Menschen erfüllt und von jedem Menschen angenommen und erwidert wird, da Liebe nicht anders denn als gegenseitiges Sich-Eröffnen und Erfüllen von Freiheiten zu denken ist? Was aber, wenn auch nur ein Mensch sich verweigerte? [...] Wäre Gottes mit seinem Schöpfungsentschluß verfolgte Absicht dann nicht gescheitert, oder - vorsichtiger formuliert: Würde dieser Entschluß nicht weiter auf seine vollständige Verwirklichung warten?"93 Und in der Tat: "Kann Gott das letzte seiner verlorenen Schafe in seiner Herde vermissen?"94 Würde das heißen, daß Gottes ganzer Heilsplan nicht scheitern könnte? Wenn er tatsächlich nicht ganz scheitern kann, ist dann der Freiheit nicht der letzte Zug der Möglichkeit zur vollen Ausschöpfung des Bösen entzogen? Hat der Mensch mit seiner Freiheit nicht Vollmacht an Gottes Plan bekommen? Demgegenüber steht auf der anderen Seite die Erlösung als unumkehrbares Ereignis mit einer unumkehrbaren Wirkung. Der Effekt ihrer Wirkungsgeschichte kann aber vielleicht erst (im Sinne von Balthasars Geschichtsauffassung) am Ende der Geschichte in ihrer vollen Dimension erfahren werden. Balthasars eschatologisches Konzept zieht auch anthropologische und damit ethische Konsequenzen nach sich: Soll nämlich das Heil für alle als „sichere" Hoffnung angenommen werden, dann ist der Verlust moralischer Normen aus ethischer Sicht nicht zu verhindern: „Wenn das Heil aller in der Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit garantiert' ist, dann verliert die ethische Einstellung und der dem Ethos entsprechende Lebensvollzug die Normativität, die aus der Eschatologie auf die Ethik rückwirkt"95, merkt Jan Anbaum an. Andererseits geht es hier nicht nur um die ethischen Normen des Menschen, sondern auch um die Gottes. Wenn Gottes Barmherzigkeit ohne das freiwillige Verzeihen der Verletzten in Gang ge93 STRIET, M.: Versuch über die Auflehnung. Philosophisch-theologische Überlegungen zur Theodizeefrage. In: Mit Gott streiten. Neue Zugänge zum Theodizee-Problem. Hrsg, von H. WAGNER, Freiburg, 1998, 57. Vgl. auch 71. 94 BALTHASAR, H. U. von: Apokatastasis, 182. 95 AMBAUM, J.: Hoffnung auf eine leere Hölle -- Wiederherstellung aller Dinge?, 34.