Folia Theologica 18. (2007)

István Ancsin: Die Hoffnung Aaf das Heil bei Hans Urs von Balthasar

DIE HOFFNUNG AUF DAS HEIF BEI H. U. V. BAFTHASAR 39 setzt werden könnte, wäre es wohl schwierig, über einen ethischen Gott zu sprechen, wie Magnus Striet dies zum Ausdruck bringt: "Ohne daß die Opfer vorab ihren Folterern und Mördern verzie­hen, dürfte auch Gott nicht versöhnen. Denn es hieße, die Opfer nochmals ihrer Würde als freier Menschen zu berauben und sie nochmals zu Opfern zu machen, wenn die Harmonie ohne ihre Zu­stimmung verwirklicht würde: Sie würden dann zu Opfern eben dieser Harmonie, ihr in Ewigkeit ungesühntes Feid wäre der Preis dafür, daß Gott auf die schließliche Harmonie nicht verzichten könnte oder wollte."96 Ähnlich spricht Thomas Pröpper seine escha- tologische Hoffnung aus, wonach wir im Endgericht "hoffen dürfen, [...] daß Gott auch in ihm uns Menschen noch antworten und betei­ligt sein lässt"97. Balthasar selbst deutet in der Apokatastasis-Frage eine Versöhn- barkeit der einander zu widersprechen scheinenden Auffassungen mit Wilhelm Michaelis an: ,„Doppelter Ausgang des Gerichts schließt eine Allversöhnung keineswegs aus'"98. Und in der Tat: warum wäre es nicht anzunehmen, daß die Gestorbenen erst in den Himmel oder in die Hölle kommen, am Ende Gott aber alles mit sich versöhnt? Bei dieser Variante besteht aber das Problem der Zeitlichkeit bzw. der Ewigkeit: Wenn die Verdammnis nämlich ewig ist, dann kann Gott daran nichts ändern, also kann die Apoka- tastasis nicht verwirklicht werden. Wäre aber hingegen die Ewig­keit kein der Zeitlichkeit kontradiktorisch entgegengesetzter, son­dern ein sie in sich fassender Modus, könnte der obige Lösungsvor­schlag ohnehin seine Daseinsberechtigung haben. 96 STRIET, M.: Versuch über die Auflehnung, 58-59. Das Thema bezüglich for­muliert Jan-Heiner Tück folgendermaßen: „Der schmerzliche Durchgang durch die Abgründe der eigenen Freiheitsgeschichte wird für die Spieler der letzte Akt des Theodramas vor der Vollendung sein. Dass hier auch intersub­jektive Aussöhnungsprozesse in dem von Gott eröffneten Spielraum auszutra­gen sind, wäre über Balthasar hinaus wohl anzumerken“. TUCK, J-H.: Drama zwischen Gott und Mensch. Zur bleibenden Aktualität Hans Urs von Baltha­sars. In: HerKorr 59 (8/2005), 393. 97 PRÖPPER, Th.: Evangelium und freie Vernunft. Konturen einer theologi­schen Hermeneutik, Freiburg, 2001, 320. (Hervorhebung im Original.) 98 TD IV, 245. Das Zitat stammt aus MICHAELIS, W.: Versöhnung des Alls. Gümlingen/Bern 1950, 94.

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