Folia Theologica 18. (2007)

Markus Müller: Die Berufung im kanonischen Prozessrecht

152 M. MULLER ständigen Richter zu übermitteln (vgl. cc. 1634 § 3 i. V. m. 1474 CIC). Wenn es einen Streit über das Berufungsrecht geben sollte, hat das Appellationsgericht darüber auf schnellstem Weg nach den Re­geln des mündlichen Streitverfahrens zu entscheiden (vgl. c. 1631 CIC), weil diese Frage klar präjudiziellen Charakter hat19. Es muss dringend vor der irrtümlichen Gleichsetzung der Beru­fungsschrift mit der Klageschrift, was die Kriterien ihrer Zulassung betrifft, gewarnt werden20. In der Berufungsklage muss man auch von sich aus das Gericht ad quem benennen (vgl. c. 1504, 1° CIC). Im Falle des Fehlens dieser Angabe wird vermutet, dass gemäß c. 1632 § 1 CIC das ordentliche Appellationsgericht gemeint ist, d. h. nach einem erstinstanzlichen Urteil nicht die Rota, sondern das Metropolitangericht (vgl. c. 1438, 1° CIC) oder, falls bereits das erstinstanzliche Urteil dort gefällt worden ist, das für dauernd bestimmte Appellationsgericht (vgl. c. 1438, 2° CIC). Wenn die Parteien die Berufung gegen das Urteil an verschiedene Gerichte eingelegt haben, gilt gemäß c. 1632 § 2 CIC das Prinzip, dass die Entscheidung in der Sache dem Gericht höhe­ren Ranges zukommt; hierbei muss auf jeden Fall gleichzeitig die Norm des c. 1415 CIC beachtet werden. Davon ist abzuleiten, dass die Römische Rota Priorität genießt, wenn die klagende Partei ihre Berufung z. B. an das Metropolitan­gericht, die beklagte Partei aber an die Römische Rota richtet (vgl. c. 1632 § 2 CIC). Es stellt sich die Frage, ob man hier von einem eige­nen Rechtsmittel eines jeden Gläubigen zum Anrufen der Römi­schen Rota sprechen kann21. Wenn aber das Metropolitangericht 19 Vgl. DELLA ROCCA, F., Kommentierung der cc. 1628-1640 CIC, in: AA. VV., Commento al Codice di Diritto Canónico (Studium Ro­manae Rotae, Corpus Iuris Canonici I), a cura di Mons. P. V. Pinto, presentazione del Card. M. F. Pompedda, Prefetto del Supremo Tribu­nale della Signatura Apostolica, Città del Vaticano 22001, 93 9. 20 Vgl. WEGAN, M., Berufungsfrist und Berufungsbegründung, in: Hirnsper- ger, J. (Hrsg.), Hugo Schwendenwein zum 70. Geburtstag [=ÖAKR 44 (1995-1997)], 316. 21 Vgl. LLOBELL, J., La nécessité della doppia sentenza conforme e «l'appello automatico» ex can. 1682 costituiscono un gravame? Sul diritto di appello presso la Rota Romana, in: IusEccl 5 (1993) 607.

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