Folia Theologica 18. (2007)

Mihály Kránitz: Heilige Elisabeth (1207-1231) als Vertreter des Treffens der verschiedenen christlichen Kulturen in Thüringen im 13. Jahrhundert

116 M. KRANITZ arherzöge von Meran. Aus diesem Hause stammte Gertrud, keine „waschechte" bayerische Fürstentochter also wie die grosse Gisela. Ihr Vater, Herzog Berthold IV. von Andechs-Meranien, gab sie dem ungarischen Thronfolger zur Frau. Endre war kein Schwächling, aber auch keine besonders stabile Persönlichkeit. Seine Gemahlin Gertrud hatte dagegen überaus grosse politische Ambitionen, die sie grösstenteils auch durchset­zen konnte. Am Hofe von ihrem meranischem Gesinde umgeben, dehnte sie den unmittelbaren Einfluss ihrer Landsleute auf immer mehr Bereiche der Politik Ungarns aus. Gertruds Leute waren nicht mehr die guten Ratgeber und Organisatoren aus Giselas Gefolg­schaft. Die Ungarn waren empört, hohe Würdenträger aus altem unga­rischen Adel musssten um ihre Ämter bangen. Bánk, der zweite Mann im Staat, Stellvertreter des Königs, musste auch noch um die Tugend seiner Ehefrau fürchten: Es ging das Gerücht, das Gertrud seine Gemahlin an einen Meraner verkuppelt hat. (Im äussserst be­rühmten ungarischen Drama von József Katona /1791-1830/ und in der weltberühmten Oper von Ferenc Erkel /1810-1893/, beide mit dem Titel Bánk bán, werden Gertruds böse Meraner gerügt, ge­meint sind aber die Habsburger und ihre Österreicher des 19. Jahr­hunderts.)5 Die Verschwörung liess nicht lange auf sich warten: ungarische Magnaten mit Bánk an der Spitze überfielen die Königin und ihren Hof, töteten Gertrud und mehrere Meraner, andere konnten flüch­ten, darunter Gertruds Bruder, Erzbischof von Kalocsa, Berthold. Das geschah im Jahre 1213, als König Endre im Ausland Krieg führte. Gertruds Sohn, Kronprinz Béla übernahm 1235 die Nachfolge seines Vaters. Nach seiner Schwester, der heiligen Elisabeth, be­nannte er eine seiner Töchter. Elisabeth verbrachte nur vier Jahre in Ungarn, zwei Jahrzehnte lang lebte sie auf deutschem Gebiet, in Thüringen. In ihrer Person wurden die geistlichen und kulturellen Eigenschaften beider Natio­nen verenigt, so ist sie das Symbol der universellen Liebe geworden. 5 KATONA, J., Bánk bán, Osiris, Budapest 2004; ERKEL, F., Bánk bán (Li­bretto), Zeneműkiadó, Budapest 1960.

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