Folia Theologica 18. (2007)
Imre Koncsik: Synergetische Hermeneutik - Grundlagen und Perspektiven
108 I. KONCSIK über / darunter) die apriorische Einheit der Person als Systemkonsti- tuens sich aposteriorisch ereignen zu lassen (Person als immer "neue" Systemeigenschaft). Die höhere (=Person-Ebene) und niedrigere Ebene (der Einzelakte) bilden im Ereignis des Personseins den ontologischen Ort ihrer mutualen Perichorese. Im Seienden ereignet sich Sein, weil sich das Seiende als Sein ereignet. Der synergetische Begegnungsort der Realitätsleveis definiert den Horizont des Bewusstseins. Die Person existiert als Resonanz von Erinnerung und Gegenwart als Vergegenwärtigung. Schöpfungstheologische Applikationen Dogmatisch intendiert wird nicht ein pures Jonglieren mit innovativen Beschreibungsebenen, weil das nur einen bedingten Ertragsgehalt hat. Eher kann dogmatisch-instinktiv an das Wirken des Heiligen Geistes gedacht werden, der „wie der Wind" unbestimmt, dennoch bestimmend ist, um die Genese der Schöpfung disponierend auf immer neue Einheitsmodi zu dirigieren. Gottes Wirken geschieht verborgen, sich analogisierend und durch synergetische Freisetzung schöpferischer Autopotenzen51. Schöpfung und Evolution52 Die Konstitution der sichtbaren Welt vollzieht sich entlang der Schiene „Energeia - Energie - Raum - Zeit - Materie": die metaphysische Energeia transmutiert zur physischen Energie, ohne in ihr 51 Näheres zur Diskussion siehe: KONCSIK, I., Das Wirken Gottes aus naturwissenschaftlicher und theologischer Sicht. Ansätze einer Vermittlung, in: MThZ 51 (2000) 19-38 52 Zum Diskussionsstand querschnitt-repräsentativ: LÜKÉ, U., Das Säugetier von Gottes Gnaden. Evolution. Bewusstsein, Freiheit, Freiburg 220 07; HORN, S. (Hg.), Schöpfung und Evolution. Eine Tagung mit Papst Benedikt XVI. in Castel Gandolfo, Augsburg 2007; SCHÖNBORN, C., Ziel oder Zufall? Schöpfung und Evolution aus der Sicht eines vernünftigen Glaubens, Freiburg u.a. 2007; KUNG, H., Der Anfang aller Dinge. Naturwissenschaft und Religion, Mönchen 82006; SCHOCKENHOFF, E., Gott und der Urknall. Physikalische Kosmologie und Schöpfungsglaube, Freiburg 2004; schließlich sei noch verwiesen auf: LINDSAY, D. G., Die Entstehung der Welt. Evolution oder Schöpfung? Burgwedel 2007. - Es dürfte aus vorliegendem Beitrag klar werden, inwiefern die Synergetik die unvermischte und ungetrennte Einheit von Schöpfung (Wirken Gottes) und Evolution (Autopoese der Seienden) universal zu konkretisieren weiß und als „zweitrangiges“ Reflexionsfeld offenbart.