Folia Theologica 18. (2007)
Imre Koncsik: Synergetische Hermeneutik - Grundlagen und Perspektiven
SYNERGETISCHE HERMENEUTIK 109 völlig aufzugehen; vielmehr bleibt sie auf das Ganze der Schöpfung bezogen und somit „hinter" der physischen Wirklichkeit als energetisch informierendes metaphysisches Prinzip. Die Energie bildet bereits quantentheoretische Zustände, die schließlich im „Urknall" den Raum, dann die Zeit und schließlich die Materie aus sich synergetisch hervorgehen lassen: alle Hervorgänge bleiben auf ihren Seinsgrund einigend hingeordnet. Schließlich kommt es synergetisch zur Konkretion von stabilisierten Regelkreisläufen bzw. subsi- stent-relationalen Entitäten, sprich zur Bildung von Molekülen als Resonanz- und Konsonanzprodukte bis herauf zum Zellverband etc. Stets bleibt die Einheit von „horizontaler" und „vertikaler" Schöpfung unvermischt und ungetrennt gewahrt. So wird etwa das synergetische Konstituens der Limitation durch Expansion/Explosion mit anschließender Kontraktion/Implosion gewahrt. Sie entspricht der eruptiven Entladung mit anschließender Transferblockade aufgrund retardierender phasischer Inhibition von Energieflüssen - das gesamte Ablaufmuster wird metaphysisch ko-ordiniert und ko-limitiert gedacht, um das gratiale Ineinander und Miteinander erklären zu können. Die universale Limitation erstreckt sich auf gleiche und auf differente Ebenen: Kraft und Gegenkraft, Teilchen und Antiteilchen etwa implizieren eine Limitation auf derselben Ebene; imaginäre/quantenmechanisch und rea- le/klassische Wirklichkeit hingegen eine Limitation durch differente Ebenen. Geist und Gehirn53 Gemäß des o.g. ist der Geist eine eigenständig sich etablierte Deskriptionsebene auf Grund einer entsprechenden Seinsebene. Synergetisch kann eine passive, ausgelöste Wirkung des Mentalen auf das Neuronale und umgekehrt konstatiert werden, so dass es zu einer mutualen Disposition kommt: beide Ebenen werden in den eigenen Bestand entlassen und darin zugleich aufeinander hin „ent53 Zum Querschnitt des Diskussionsstandes: ACHTNER, W., Gott-Geist-Gehirn: religiöse Erfahrungen im Lichte der neuesten Hirnforschung, Frankfurt a.M. 2005; SCHUSTER, L., Mens ex Machina. Technische Modelle in der Bewusstseinsforschung, Frankfurt a.M. u.a. 2005; FRITH, C., Making up the mind: how the brain creates our mental world, Malden u.a. 2007; DAMASIO, A., Descartes Irrtum: Fühlen. Denken und das menschliche Gehirn, Berlin 2006