Folia Theologica 18. (2007)
Imre Koncsik: Synergetische Hermeneutik - Grundlagen und Perspektiven
104 I. KONCSIK mit der "Kegel"-Konzeption eines Teilhard de Chardin43 - "konzentrisch" und (von innen nach außen und umgekehrt) auf Kohärenz wirkende Kräftekonstituentien gemäß den o.g. drei synergetischen Bedingungen. Das setzt ungleich konkretere synergetische Abstimmungskräfte voraus, um aus theoretischen Korrelaten praktische Koeffizienten zu machen. Physisch beobachtbar sind Selbstreferenz, Iteration als stets erneutes Durchlaufen und permanentes Wirkenlassen des Impulstransfers vermittelt durch bidirektionale bzw. reziproke Koppelung der Einzelelemente untereinander, so dass sie sich als ein eigenständiges Systemnetzwerk mit eigenen Systemeigenschaften verhalten. Metaphysisch werden Seinsprinzipien antizipiert wie etwa die Propensität zu Selbstsein durch Selbstorganisation, -manifestation, -transzendenz, -konstitution, indem sich das "Neue" realisiert, bevor es "ist", um "zu sein"44. Intrinsische Determinanten und Notwendigkeiten ermöglichen somit eine interne Disposition zum eigenmächtigen "Sein" im "eigentlichen" (weil schöpferisch-freien) Sinn45. Interpretation Metaphyisch werden synergetische Wirkprinzipien postuliert, die sich hinsichtlich ihrer Wirkung und Effizienz ins Physische hinein analogisieren. Sie dürfen weder determinativ noch indifferent ermöglichend wirken, sondern dispositiv und „überladend" sowohl informativ als auch energetisch effektiv agieren. Ferner wird onto43 Zur Grundvorstellung siehe: T. de CHARDIN, Der Mensch im Kosmos, München 21964, 60-63. 253-257 44 Hier meldet sich das antike Widerspruch bei der Reflexion auf das Sein und Werden an, der bei Thomas von Aquin als zweiter Gottesbeweis auf Basis der Frage nach dem Grund der Möglichkeit von Seinsveränderung überhaupt thematisiert wurde: damit aus A ein B wird, braucht es ein C; sonst wäre B im Vergleich zu A sowohl potentiell als noch nicht Seiendes als auch aktuell als bereits Wirkendes zugleich, was unmöglich ist. Letztlich wird der geschehende Übergang vom Möglichen zum Wirklichen reflektiert, der gerade beim synergetischen Paradigma unabdingbare Voraussetzung ist. 45 Damit wird eine unvermischte und ungetrennte Einheit von apriorischer Disposition und aposteriorischer Eigenwüchsigkeit vorausgesetzt, die allgemein ontologisch auf eine Einheit der apriorischen und aposteriorischen Konstitution des Seins zurück geführt wurde bei: KONCSIK, I., Große Vereinheitlichung? Band I: Trinitarische Fundierung, Hamburg 2000, bes. 174-201. Hier finden sich auch nähere Erörterungen zu den metaphysischen Grundmustern der Wirklichkeit.