Folia Theologica 17. (2006)

Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?

98 I. KONCSIK den kann, wird in LG 8 mit dem viel diskutierten „subsistit in" in­tendiert: die wahre Kirche Christi als Ziel der gott-geschöpflichen Einigungsbemühungen jedweder Religion und Konfession subsi- stiert in der katholischen Kirche82. Die Subsistenz der Kirche in der katholischen Kirche zeigt sich auch an der Unfehlbarkeit des Pap­stes83 und der Konzilien als Unfehlbarkeit der Kirche als ganze84. Doch bezieht sich auch diese Subsistenz irgendwie auf das substan­tielle Ganze aus dem geschichtlich Gewordenen der Kirche, inso­fern die Unfehlbarkeit nicht gegeben ist durch Inspiration, sondern durch die - klassisch gesprochene - „Assistenz" des Heiligen Gei­stes. Ihr entspricht ein anderer Modus der „Subsistenz" als eine der Inspiration gemäße ontologisch zu eruierende Gegenwartsweise Gottes in seiner Kirche. Die analoge Einheit zwischen konkret sicht­82 Ziegenaus, A. (Die Heilsgegenwart in der Kirche. Sakramentenlehre, (Scheffczyk, L.; ders., Katholische Dogmatik, Band VII), Aachen 2003) in­terpretiert LG 8 bezogen auf den Kirchenbegriff: wahre Kirche subsistiert als sakramentale Selbstvollzugsimion nur kraft der sakramentalen Weihesukzes­sion, so dass sie in allen entsprechenden Gemeinschaften gegeben ist, welche sich auf die sakramental garantierte Weise selbst vollziehen, also etwa in der katholischen und orthodoxen Kirche. Sie sind Ausgestaltungen der „wahren“ Kirche, wenn auch unter ihrer negativen Differenz zueinander - jedoch nicht im Sinn der anglikanischen „horizontalen“ „branch theory“ (Zweigtheorie), sondern „vertikal“ als Manifestationen der einen gottmenschlichen Urwir- kung als metaphysisch-existentielle Wirkung am Ursprung. Vgl. SCHLIER, H., Kurze Rechenschaft: K. Hard, Bekenntnis zur katholischen Kirche, Würz­burg 31957, 192f: „Niemand kann den biblischen Beweis dafür führen, dass die Einheit der Kirche der der Zweige gleiche, die im Baum sich einen, und jede Zweigkirche ihren Beitrag zu einer höheren Einheit leiste. Hinkt der oft verwandte Vergleich nicht an sich schon? Sichtbare Zweige im - unsichtba­ren Baum geeinigt?“. 83 Die solcher Formulierung zugrunde liegende Logik wird vorbereitet bei Leo dem Großen, Sermo 96 (BKV 54 (1927) 17-21), wonach die Festigkeit Petri in seinen Erben weiterlebt. Um die unfehlbare Substanz herum kreisen quasi akzidentelle Gestaltungsformen der Kirche. Vgl. Gregor der Große, Brief an Augustinus, den Bischof der Engländer (Epist. XI, 56a) (Ausgewählte Schrif­ten des hl. Gregorius d. Gr., Bd. II, Ausgewählte Briefe, übers, von Th. Kranzfelder (BKV), Kempten 1874, 612-631, 615). 84 Man beachte: die Unfehlbarkeitsdefinition des Papstamtes im Konnex mit sei­ner Kirche beruht auf der Opposition gegen den Gallikanismus und intendiert keinen solipsistischen Papismus - siehe dazu: Vinzenz Gasser, Bericht im Namen der Glaubensdeputation (in: R. AUBERT, Vaticanum I, Mainz 1965, 332-339).

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