Folia Theologica 17. (2006)
Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?
DIE SUCHE (NACH) DER WAHREN KIRCHE 99 barer und mystisch unsichtbarer Kirche85 - als definitives und different gewichtetes Hinsein auf den Gottmenschen sowie als aktive und partizipierende Nachbildung und schöpferische Urbildung der hypostatischen Union - wird somit in ihrer Wahrheit von der katholischen Kirche ausgesagt86. Davon unberührt bleibt die konkrete Verfasstheit der materialiter sichtbaren katholischen Kirche als Kirche der Sünder aufgrund ihres partiellen moralischen Versagens und ihrer Schwäche als verbleibende Effekte der Ursünde und Gefallenheit der gesamten Schöpfung. Daher kann das „subsistit in" ontologisch nicht die unentstellte und lediglich die in den - mit der naturhaften Defizienz notwendig einhergehenden - Schein der Erscheinung gestellte Realisation der heiligen Kirche meinen87, sondern die trotz der negati85 Vgl. hier zur Unterscheidung zwischen sichtbarer und unsichtbarer Kirche: LEO XIII, Enz. „Satis Cognitum“ (29. 6. 1896): ASS 28 (1895/6) 708-739: insofern die Kirche ein Leib ist, kann sie wahrgenommen werden; insofern sie der Leib Christi ist, ist ihr unsichtbares Lebensprinzip verborgen. Die Kirche ist demnach die strikte Einheit des äußeren Leibes mit dem inneren christolo- gischen Lebensprinzip. PIUS XII, Enz. „Mystici Corporis“ (1943) (AAS 35 (1943) 193-248), identifiziert dann die katholische Kirche mit dem „mystischen“ Leib Christi. Zu dieser Kirche sind konkret und material „reapse“ (und nicht nur „in voto“) alle zuzurechnen, die das Bad der Wiedergeburt empfingen (siehe Trient), sich zum wahren Glauben bekennen und nicht vom Leib Christi getrennt sind. Wer nun nicht zur katholischen Kirche gehört, gehört auch nicht zum Leib Christi, sondern ist davon getrennt ebenso wie vom lebensspendenden Geist in ihm. 86 Nach Dei Filius (DH 3013) erstreckt sich allein auf die katholische Kirche all das, was durch Gott zur einsichtigen Glaubwürdigkeit des christlichen Glaubens so vielfältig und wunderbar angeordnet wurde 87 Dafür spricht etwa die bekannte Anathematisierung von Honorius (28. 3. 681, 6. Allgemeines Konzil von Konstantinopel) mit der Begründung, dass sich die gratiale Subsistenz nicht auf die Person des Papstes (sondern höchstens auf sein Amt) bezieht. Dazu passt auch die Unabhängigkeit der sakramentalen Subsistenz von ihren menschlichen instrumentellen Vermittlern (vgl. gnaden- und sakramententheologisch bezogen auf die Heiligkeit des Priesteramtes aufgrund der Göttlichkeit der Amtsgnade: Konzil von Trient (DH 1763-1778) bzw. die objektive Gültigkeit und relative Unabhängigkeit der sakramentalen Validität vom Sakramentenspender (Konfrontation mit Petrus Waldes, DH 792f). Bei beiden bezieht sich die Subsistenz auf die Wurzel der Realität der sichtbaren Kirche und nur analog - indirekt - auf ihre konkrete materielle Realisation. Nicht zuletzt kann in diesen Kontext auch das konzi- liare Notstandsdekret „Haec Sancta“ (Konzil von Konstanz, 6. 4. 1415 - nach GILL, J., Konstanz und Basel-Florenz (Geschichte der ökumenischen Konzi-