Folia Theologica 17. (2006)

Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?

DIE SUCHE (NACH) DER WAHREN KIRCHE 97 eine Differenzierung in den historischen, realen und mystischen Leib Christi80. Der katholischen Kirche wird neuzeitlich immer mehr der mystische Leib zugeordnet in Absetzung zu seinem eu- charistisch-realen Leib, um einen bestimmten Modus der wirksa­men Präsenz Christi in der extraordinär ihm zugeordneten Kirche ontologisch zu verankern. Dabei besteht zwischen den damit expri- mierten divinen Präsenzmodi ein unmittelbarer, weil konstitutiver Konnex, der u.a. die Berechtigung einer eucharistischen Ekklesiolo­gie begründet81. Die eindeutige Nähe, welche neben ontologischen auch durch relationale, personale und dialogische Kategorien komplettiert wer­J. (Die Mysterien des Christentums, hg. von J. Höfer, Freiburg 21941, etwa § 78: „Wird aber der Mensch ein Glied der Kirche, so wird er in Christus und durch Christus in den Schoß Gottes aufgenommen, in ein himmlisches Erd­reich, auf einen göttlichen Stamm gepflanzt; er tritt in eine neue, übernatürli­che Sphäre ein, wo seine Natur umgewandelt und verklärt, ein ganz neues Le­ben ihm eingegossen und dieses neue Leben unter dem Licht und dem Tau des neuen Himmels genährt und gepflegt wird.“). 80 Vgl. Henri de LUBAC, Corpus Mysticum. L 'Eucharistie et l ’Eglise au Moyen Age, 1944, Paris 21949; dt.: Corpus Mysticum. Kirche und Eucharistie im Mittelalter, Einsiedeln 1969: Die Kirche ist nicht nur ein mystischer Leib, sondern wahrer, realer Leib Christi. Ein Sakramenten-Realismus impliziert auch einen Kirchen-Realismus. (vgl. 305-314). „Angesichts der drei vorlie­genden Größen: des historischen, des sakramentalen und des kirchlichen Lei­bes Christi, die man in Einklang bringen, das heißt zugleich unterscheiden und einigen musste, wurde der wichtige Einschnitt anfänglich zwischen dem ersten und zweiten Leib gelegt, während er später zwischen den zweiten und dritten zu liegen kam. Damit ist in Kürze das Faktum ausgedrückt, das die ganze Lehrentwicklung beherrscht.“ (314). 81 Im Zentrum der Kirche steht die Feier des Herrenmahls im Sinn einer eucha­ristischen Ekklesiologie (so besonders RATZINGER, J., Kirche, Ökumene und Politik, Einsiedeln 1987): „Zur Kirche gehört wesentlich das Element des Empfängern, so wie Glaube vom Hören kommt und nicht Produkt eigener Entschlüsse oder Reflexionen ist. Denn Glaube ist Begegnung mit dem, was ich nicht erdenken oder durch Leistungen herbeiführen kann, sondern was mir eben begegnen muss. Wir nennen diese Struktur des Empfangens, des Begeg- nens ,Sakrament’. Und eben deswegen gehört es auch zur Grundgestalt des Sakraments, dass es empfangen wird und dass niemand es sich selber reicht. Niemand kann sich selber taufen, niemand sich selbst die Priesterweihe zu­sprechen, niemand sich selbst von seinen Sünden absolvieren... Kirche kann man nicht machen, nur empfangen, und zwar empfangen von dort her, wo sie schon ist und wo sie wirklich ist: aus der sakramentalen Gemeinschaft seines durch die Geschichte hindurchgehenden Leibes.“ (18f)

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