Folia Theologica 17. (2006)

Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?

96 I. KONCSIK der immer analog bleibenden und die eigene Analogie vollziehen­den Selbsttranszendenz auf die Transzendenz Gottes hin eröffnet sich der Raum der Selbsttranszendenz der rationalen Erkenntnis auf die existentiell bezeugten Offenbarungswahrheiten und darin auf die Kirche, welche sich durch sie legitimiert. Wird im so ver­standenen analogen Modus der Anspruch der katholischen Kirche durchleuchtet, kann dieser Anspruch an der Analogie und ihrer in der ekklesial vermittelten hypostatischen Union vollendenden Er­füllung abgelesen werden. Somit repräsentiert die katholische Kir­che das „Urmodell" der Analogie des Menschen zu Gott, das sich analog in anderen Religionen wiederfindet. Bezogen auf die konkrete sichtbare Gestalt der katholischen Kir­che kann jedoch die Selbstevidenz ihres Wahrheitsanspruchs auf­grund der „Kirche der Sünder" zu Recht in Frage gestellt werden. Von daher bezieht sich die Selbstevidenz auf die unsichtbare Kir­che (Ana-logie als Logos-gemäßheit) und somit auf ihren wirken­den Kern ( = Logos). Er wiederum kann nicht von der konkreten Kirchengestalt abstrahiert und isoliert werden, sondern wirkt sich in ihr - analog - aus. Besonders geschieht das hinsichtlich ihrer iso­morphen Wesenseigenschaften:78 ihrer sakramentalen Grundstruk­tur, der dogmatischen Theoriebildung und rationalen Reflexion des Glaubensgrundes und Ganzhingabeziels, der proexistentiellen Dia­konie und Mission und in ihrer Sicherheitsgewissheit auf Basis ih­rer drei Ansprüche auf Wahrheit, Vollmacht und Absolutheit. In ih­nen manifestiert sich die Identität der Analogie der göttlich garan­tierten Einheit zwischen Gott und Mensch. Transnaturale Konstitutionsgründe Die intime Nähe zur supereminenten gottmenschlichen Union in Jesus Christus wird durch die sakramentale Metapher der Kirche als „Leib Christi" exzeptionell ausgedrückt79. Bekanntlich erfolgt gung des Denkens zum Gott-Denken. Das Nach-Denken Gottes ist dann ein nie endender Ausgriff des Denkens auf das Sein. 78 Allgemein geschieht das hinsichtlich der klassischen „notae ecclesiae“ der Einheit, Heiligkeit, Katholizität und Apostolizität. 79 Gemeint ist die supranaturale (weil geschenkhafte und hyper-potente) Ver­wurzelung der Kirche unmittelbar in Jesus Christus. Vgl. dazu Scheeben, M.

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