Folia Theologica 17. (2006)
Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?
DIE SUCHE (NACH) DER WAHREN KIRCHE 93 ner Art, insofern mit ihm lediglich die dispositiven Rahmenkonditionen abgesteckt werden zur Selbstzeugung interner Gesetze, wie etwa die hierarchische Ämterstruktur der Kirche als mögliche Konkretion des divinen und universalen Entwicklungsgesetzes - hier kann die im eucharistischen Kontext gebrauchte Rede von der „Transfinalisation" auf die Kirche übertragen werden, insofern dieser Begriff sowohl die metaphysische als auch die geschichtliche Ebene enthält. Bezogen auf den ökumenischen Dialog gilt: die katholische Kirche wächst und bildet immer komplexeren „Resonanzen" mit den anderen Konfessionen und Religionen aus, wodurch der globale Höchstfall an Repräsentation und Organisation der Gemeinschaft der Heiligen approximiert wird70; dadurch erkennt sie in dialogischer Identität immer deutlicher das sich konkretisierende Reich Gottes im „hic et nunc" der divinen Universalwirkung. Systemtheoretisch formuliert: kraft der unüberschreitbaren Analogie zwischen unsichtbarer und sichtbarer Kirche tritt eine Notwendigkeit auf zur Selbstkonstituierung des Systems „Kirche" durch kontextbezogene Interaktion mit anderen religiös motivierten Systemen, so dass sich die ekklesiale Auto-Konfiguration in der Raumzeit parallel zum Konzept der Selbstorganisation dissipativer und offener Systeme vollzieht71. Zugleich wird die Selbstkonstituie70 So auch die bezeichnende Überschrift des ökumenischen Schreibens der Bilateralen Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz und der Kirchenleitung der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, Communio Sanctorum. Die Kirche als Gemeinschaft der Heiligen, Paderborn 22000 71 Randnotiz: die Synergetik bildet hier die passende Vertiefung der systemtheoretischen Reflexion. Was bei Luhmann et alii fehlt, ist die gerichtete Erfolgswahrscheinlichkeit (ekklesial göttlich motiviert und „angetrieben“) im Sinn einer garantierten Höherpotenzierung und Komplexitätsaszendenz der Evolution. Korrekt werden Interdependenz- und daraus folgende Interaktionsrelationen beschrieben: mangelhaft wird die Subsistenz emergierter systemischer Strukturen in ko-konstitutiver dialogischer Relationalität erfasst. Als ekkle- siologische Applikation wird an der sakramentalen Realität der Kirche „als ganze“, als komplettiertes und relational autonomes System festzuhalten sein, das sich heterogen etwa in den Interdependenzrelationen von Weltkirche und Teilkirchen, Ortskirchen, Gemeinden bis zum Individuum analogisiert und sich im Sinn einer zunehmenden Intensivierung des Prinzips „System“ bis zum real existenten Individuum durchzieht.