Folia Theologica 17. (2006)

Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?

DIE SUCHE (NACH) DER WAHREN KIRCHE 89 sichtbaren Kirche wie die gegenwärtige; dasselbe gilt bezüglich der legitimen Pluralität der Ortskirchen bis hin zu ihrer individualisie­renden Vereinzelung in jedem einzelnen Menschen als maximal konkretisierte Kirche. Trotz der Differenz zwischen beiden besteht eine eben darin konstruktiv vermittelte Einheit, welche die hypostatische Union ge­rade hinsichtlich der Realität des Seinsgrundes Jesu analogisiert nachbildet und ins je geltende „hic et nunc" realiter vermittelt. Frei­lich wird hiermit die positive Differenz als Resultat der simplen De- fizienz des Sichtbaren gegenüber dem Unsichtbaren reflektiert - die negative Differenz ist Resultat der faktischen Gefallenheit der Schöpfung, also der praktisch konstatierbaren (oftmals negativen) Umsetzung des hier untersuchten dogmatisch-theoretischen Selbst­anspruchs der katholischen Kirche. Nicht zuletzt bleibt die negative Differenz der Anlass zum Zweifel an der Wahrheit der katholischen Kirche, zumal ihre Folge sowohl das Faktum des Scheinchristen­tums als auch das Faktum des „eigentlichen" Christseins in anderen Konfessionen und sogar Religionen einschließt. Dennoch besteht hierin eine positive Differenz zu anderen Kon­fessionen und Religionen; weil die katholische Kirche in eindeuti­ger und unverkürzter Analogie zur unsichtbaren Kirche und zum „Reich Gottes" steht, befinden sich andere Konfessionen und Reli­gionen in „abgeschwächter" und „mehrwertiger" Analogie zum zentralen transzendenten Einigungsgrund aller Religionen in der ekklesial erfolgenden Umsetzung der hypostatischen Union, so dass zwischen den Religionen und Konfessionen eine positiv kon­struktive Analogie waltet. Die katholische Kirche steht „vertikal" stellvertretend und substitutiv für alle Konfessionen und Religio­nen62; zugleich gewinnt sie „horizontal" ihre Stellvertretung durch den dialogischen Austrag der analogen Einheit der Konfessionen und Religionen untereinander. Die ekklesiologische Konsistenz be­zogen auf die Frage nach der faktischen Kirchenzugehörigkeit wird katholischerseits vollständig gewahrt. 62 Zum Begriff der Stellvertretung siehe: KONCSIK, I., Das ontologische Pro­blem der Stellvertretung, in: Salzburger Jahrbuch für Philosophie XLVIII (2003) 121-154

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