Folia Theologica 17. (2006)

Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?

DIE SUCHE (NACH) DER WAHREN KIRCHE 87 heit zwischen Schöpfer und Geschöpf ist schlichtweg bezogen auf irdische Verhältnisse nicht denkbar. Diese Union ist es nach katho­lischem Selbstverständnis, nach welcher jede Konfession und Reli­gion auf differente Weise sucht und sie erstrebt. Sie ist personal, existentiell, ontologisch und heilsgeschichtlich-sakramental als Ma­nifestation der originären und im Rahnerschen Sinn strikt zu ver­stehenden Selbstmitteilung Gottes zu fassen - Prädikationen, die auf die Präferenz der bezeugten Union gegenüber differenten Mo­dellen gottgeschöpflicher Union hinweisen. Insofern sollte der ka­tholisch postulierte Modus der gottmenschlichen Einigungseinheit alle anderen Modelle gottgeschöpflicher Einigung integrieren. Vollständige Konsistenz Das Konsistenzkriterium resultiert theologisch aus der Einheit der Gemeinschaft der Heiligen (als wichtigstes Merkmal der Kir­che)59 und ontologisch aus der Einheit des Seins60. Es schließt posi­tiv das Postulat der nur analog zu bewerkstelligenden Vereinigung der begrifflich und ontologisch differenten Seinsmodi ein, welche vom dogmatischen Selbstverständnis antizipiert werden. Negativ schließt sie alle Inkonsistenzen und substantielle Widersprüche durch dogmatisch eindeutige Formulierungen aus. Neben der for­malen Konsistenz und endlichen Vollständigkeit der terminologi­schen Aussagenreihen als rationale Abbildungen des originären Glaubenszeugnisses der Erstzeugen ist die inhaltliche Konsistenz entscheidend, welche in der Ekklesiologie eine prävalente Rolle spielt: die Einheit zwischen sichtbarer und unsichtbarer Kirche61. 59 BALTHASAR, H. U. v., Klarstellungen. Zur Prüfung der Geister, Freiburg 1971, bes. 59-61, bestimmt Kirche auch primär als Gemeinschaft der Heiligen im proexistentiellen Fiir-Einander. 60 Siehe dazu Ziegenaus, A. (Die Heilsgegenwart in der Kirche. Sakramenten- lehre, (Scheffczyk, L.; ders., Katholische Dogmatik, Band VII), Aachen 2003): „Der Glaube an die ,eine Kirche’ besagt zunächst nicht im morali­schen Sinn, dass die Kirche einig sein soll, sondern im indikativischen Sinn, dass sie eine einzige und daher auch eine ist. Die Mahnung, die Einheit des Geistes zu wahren, entspringt der vorgegebenen Einheit, wie es bei Eph 4, 4ff zum Ausdruck kommt.“ (68). 61 Lehramtlich siehe: LEO XIII, Enz. „Satis Cognitum“ (29. 6. 1896): ASS 28 (1895/6) 708-739: insofern die Kirche ein Leib ist, kann sie wahrgenommen werden; insofern sie der Leib Christi ist, ist ihr unsichtbares Lebensprinzip

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