Folia Theologica 17. (2006)

Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?

86 I. KONCSIK im Gottmenschen getragenen Einigungseinheit wird u.a. ekklesio- logisch verankert durch eine daraus folgende Konstitutionslehre über die katholische Kirche: sie ist das unmittelbare und die gott­menschliche Union für alle proexistentiell vermittelnde Derivat der hypostatischen Union mit entsprechendem Realitätscharakter. Aus diesem Realitätsanspruch wiederum ergibt sich u.a. die Be­anspruchung des Besitzes des einen universal solipsistischen Heils­weges, der nicht außerhalb der Kirche gesichert oder faktisch gege­ben sein kann. Exklusiv enthalten, urgebildet und wirksam einge­stiftet bleibt er in der katholischen Kirche, an der andere Konfessio­nen und Religionen im Modus einer „teilhabenden Mittlerschaft"58 partizipieren: in ihnen scheint der eine Heilsweg analogisiert mehr oder weniger deutlich durch, oder umgekehrt: andere Konfessio­nen und Religionen präokkupieren nicht den Heilsweg, sondern weisen auf ihn hin und erhalten durch ihre Relation zu der auch von ihnen stets gesuchten gottmenschlichen Einigung ihre Kraft, Wirkung und Legitimation. Somit werden ihnen durchaus Heilsele­mente zugebilligt, welche sogar in sich bei ihrer konsequenten Ex­plikation den gesamten Heilsweg implizit enthalten können, doch eben nicht realiter, sondern virtualiter. Denn ihre Wirkung auf den Seinsstatus der Menschen empfangen sie vermittelt durch die Rea­lität der aktiven Präsenz der hypostatischen Union in der katholi­schen Kirche, einer Präsenz, welche entsprechend wirksam bezeugt und für alle Menschen „umgesetzt" wird. Der Realitätsgrad der gottmenschlichen Union ist in der katholi­schen Kirche prinzipiell unüberholbar maximiert: eine stärkere Ein­diert einem maximalen Glaubensakt ein maximales Gegenüber, das diesen fundamentalen Grundakt menschlicher Existenz evoziert: denn die gott­menschliche Einigung ist stets beidseitig vermittelt - durch den rufenden Gott und den zurück rufenden Menschen. Daher manifestiert sich in der Realität des katholischen Glaubens auch die Realität des göttlichen Gegenübers, was allein den Grund dafür abgibt, dass der katholische Glaube den religiösen Be­zug anderer Menschen zu Gott positiv zu provozieren vermag, um durch die verbale und tätige Vermittlung göttlicher Gnade die initiale Eigenaktivität des somit überzeugten Menschen zum Selbstzeugnis des Glaubens zu erwe­cken. - Anders formuliert: „Das Christentum ist mehr als nur Religion. Es be­deutet zugleich die radikale Steigerung und Umkehrung des religiösen Grund­aktes.“ (GÖLLNER, R. u.a., Einladung zum Glauben. Vom Verstehen des Menschen zum Verstehen des Glaubens, Freiburg. u.a. 1979, 114) 58 JOHANNES PAUL II, Redemptoris Missio, 5 (=RM 5)

Next

/
Thumbnails
Contents