Folia Theologica 17. (2006)

Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?

DIE SUCHE (NACH) DER WAHREN KIRCHE 85 Integrative Potenz Vorausgesetzt wird im Folgenden das ureigene Selbstverständ­nis der katholischen Kirche als zunächst hinzunehmendes Faktum. Sie soll fähig sein, andere konfessionell und religiös divergierende Optionen der gottmenschlichen Einigung und somit alle Bereiche der Wirklichkeit substantiell vollständig zu integrieren55 - ebenso muss die unsichtbare Gemeinschaft der Heiligen die „eine" sichtba­re Kirche in ihrer Essenz integrieren56. Inwiefern besitzt die katholi­sche Kirche diesbezüglich eine integrative Potenz? Hinsichtlich ih­rer von sich selbst ausgesagten theoretischen, hier: dogmatischen Fundierung wird axiomatisch vom maximalen Glaubensaxiom aus­gegangen: in keiner anderen Konfession oder Religion wird Gottes realem Wirken in der Schöpfung so viel an positiven Möglichkeiten zugetraut, die das Menschsein real und wirksam transmutieren können - gedacht sei an die lehramtlich vorgetragene theoretische Begründung der Sakramentenlehre, der Auferstehung als reale Ver­wandlung der leib-geistigen Einheit Jesu sowie generell an den real-ontologisch induzierten Duktus dogmatisch relevanter Aussa­gen, die nicht zuletzt Fides et Ratio kommemoriert. Die ontologisch festmachbare Realitätsnähe der göttlichen Wirkung sowohl im In­nen- wie im Außenbereich geschöpflicher Existenz resultiert aus dem glaubensaxiomatisch gesetzten Vertrauen in einen adäquaten Aktionsradius und -bereich Gottes, so dass das katholische Glau­bensaxiom von einer maximalen, weil bis in die Realität hin vertief­ten gottmenschlichen Einheit in Jesus von Nazareth mit entspre­chend realistischer Auswirkung auf alle menschlichen und ge- schöpflichen Einigungsbestrebungen ausgeht57. Die Realität dieser 56 Betont nicht auch Dietrich Bonhoeffer (Das Wesen der Kirche (1932), Ge­sammelte Schriften, hg. von E. Bethge, Band 5, München 1972) diese inte­grative Potenz, wenn er schreibt: „Kirche ist kein Ideal, sondern Wirklichkeit in der Welt, ein Stück Weltwirklichkeit. Die Weltlichkeit der Kirche folgt aus der Menschwerdung Christi. Kirche ist wie Christus Welt geworden. Es ist Verleumdung der wahren Menschheit Jesu und also häretisch, die konkrete Kirche nur als Scheinkirche zu nehmen. Sie ist ganz Welt. Das heißt auch, sie ist aller Schwachheit unterworfen... Um des wirklichen Menschen willen muss die Kirche ganz weltlich sein.“ (270). 57 Man beachte: die Realität der Auswirkung der gottmenschlichen Union ist bi­direktional, interaktiv und nicht monologisch-theonom. Demnach korrespon-

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