Folia Theologica 17. (2006)

Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?

DIE SUCHE (NACH) DER WAHREN KIRCHE 83 tielle „Hineinstellen" in sie erschließt52. Die Selbstevidenz korreliert mit der Selbstexplikation des „neuen Seins", d.h. seiner externen Unableitbarkeit53, weil internen Selbstrefe­renz. Sie wiederum besagt die Vollständigkeit der Fundierung der wahren Kirche durch sich selbst unter expliziter Entbehr­lichkeit von externen, nicht ekklesiologischen „Zusatzannah­men"54. Daraus resultiert auch die Irreversibilität und Unüber- bietbarkeit der wahren Kirche durch dann geltenden den­kunmöglichen andere Kirchen.- Anzeichen transnaturaler Konstitutionsgründe: die wahre Kirche darf nicht nur nominell auf eine divine Initiation zurückge­führt werden können, sondern muss irreduzible Insignien göttlicher Wirkung aufweisen. Beispiel: wird etwa die leibli­che Auferweckung gnoseologisch als für die Kirche verbindli­ches authentifizierbares Zeugnis und als intrinsisches Merk­mal benannt, so kann von ihrer durch Martyrium und Diako­nie wirksamen Bezeugung auf eine göttliche Kraft im Herzen der Zeugen zurück geschlossen werden: denn woher und weshalb sollten Menschen die erforderliche Kraft zur Über­windung des Todes sonst nehmen? Die Existenz einer Kirche auf Basis authentischer Zeugnisse ist bereits selbst unwider­ruflicher Indikator einer gratialen und transnaturalen 52 So etwa BONHOEFFER, D., Christologievorlesung, in: BETHGE, E. (Hg.), Gesammelte Schriften, Bd. 3: Theologie - Gemeinde. Vorlesungen, Briefe, Gespräche 1927 bis 1944, München 1960: da Christus der universale Letzt­maßstab ist, geht es nicht an, „hinter den Anspruch Christi zurückzukommen und ihn selber zu begründen. Damit maßt sich der menschliche Logos an, der Anfang und der Vater Jesu Christi zu sein. In maßlosem Anspruch intendiert der menschliche Logos trinitarische Gestalt.“ (172) 53 Unableitbarkeit wiederum bedingt Unerfindbarkeit. Vgl. VOBBE, G., Jesus Christus - Erfindung oder Wirklichkeit?, München u.a. 1976, bes. 22f. 54 Dieses Kriterium lehnt sich an die Logik an, näher hin an das iiilbertsche Postu­lat der Vollständigkeit und Entscheidbarkeit im Sinn der Ein(ein)deutigkeit der Wahrheit einer formalisierten Metatheorie. Logisch ist das aufgrund der internen Nichtigkeit und Vorläufigkeit einer finiten Logik nicht möglich, on­tologisch jedoch aufgrund der eschatologisch besiegelten unendlichen (weil metaphysisch geltenden) Abgeschlossenheit und endlichen Offenheit der Ek­klesiologie sehr wohl möglich - in Gegensatz zu anderen „vorläufigen“ Reli­gionen. Vgl. zur formalen Charakterisierung: STEGMÜLLER, W. u.a., Struk- turtypen der Logik (Probleme und Resultate der Wissenschaftstheorie und Analytischen Philosophie, Band 3), Berlin u.a. 1984, bes. 342-345.

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