Folia Theologica 17. (2006)
Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?
82 I. KONCSIK universalisierbar sein. Beispiel: eine dialektische Deskription und Fundierung der Kirche hebt sich in ihrer Wurzel selbst auf, insofern das formalisierbare dialektische Prinzip nur als nicht-dialektisches formulierbar ist - eine eindeutige Inkonsistenz sowie unentscheidbare inhaltliche Mehrdeutigkeiten sind die Konsequenz. Faktisch setzt sich ein ekklesiologisches Modell durch Kompetition um Konsistenz gegenüber den Konkurrenten durch. Prinzip der Selbstüberschreitung: aufgrund des analogen Verhältnisses der sichtbaren Gestalt der wahren Kirche zu ihrem unsichtbaren Zielgrund50 muss die sich darin kundgebende analoge Einheit von Gott und Mensch (als Ziel jeder Religion) in immer neuen Analogien ereignen, d.h. die Kirche sich immer wieder erneuern,51 was sich hinsichtlich der dog- matologischen Konstitution der Kirche formaldogmatisch als sukzessive und prinzipiell endlose Approximation des Zielgrundes fassen lässt. Daraus folgt ebenfalls die Permanenz der ekklesialen Mutation aufgrund des substantiell transmu- tierten „neuen Seins" der die Kirche in dieser Hinsicht konstituierenden Menschen.- Faktum der Selbstevidenz: die wahre Kirche ist selbstevident, insofern sie nicht durch andere Maßstäbe relativiert werden kann und sich ihre Wahrheit erst durch das faktische existen50 Wird diese Analoge nicht beachtet, folgt etwa wie bei Adolf von Harnack (Das Wesen des Christentums, 1900; Gtiterloh 1977, 124-127) die Ablehnung der sichtbaren Kirche zugunsten der unsichtbaren Gemeinschaft der Heiligen. ÄHNLICh Emil Brunner, Das Missverständnis der Kirche, Zürich 21951, bes. 84-89.105f.132f 51 Bezogen auf den sakramentalen Selbstvollzug der Kirche formuliert Rahner, K. (Kirche und Sakramente (QD 10), Freiburg-Basel-Wien 1960) diese analoge Einheit folgendermaßen: „Von daher bedeutet .Ursakramenf die eine und bleibende, zeichenhafte, inkarnatorisch strukturierte Präsenz des eschatologi- schen Heiles Christi, eine Präsenz, in der Zeichen und Bezeichnetes umvermischt und ungetrennt’ vereint sind: Gnade Gottes im ,Fleisch’ einer geschichtlich-kirchlichen Greifbarkeit, die darum nicht mehr des durch die Bezeichnten und anwesend Gesetzten entleert werden kann, weil sonst die Gnade Christi (der ewig Mensch bleibt) auch nur etwas Vorläufiges und Überholbares wäre...“ (22). Die Uniiberholbarkeit der Gnade konstituiert demnach die relative Überholbarkeit irdischer Manifestationen der Kirche. - Inwiefern freilich diese relative Überholbarkeit gilt, bleibt hier offen (vgl. Anm. ).