Folia Theologica 17. (2006)
Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?
DIE SUCHE (NACH) DER WAHREN KIRCHE 81 und somit auch die sündigen Glieder der Kirche letztlich in ihrer konkreten Individualität glorifiziert49, anstatt an der Heiligkeit der Wurzel der Kirche festzuhalten. Eindeutig im Sinn einer rational erklärungsbedürftigen Vollständigkeit sind folgende formal-methodischen Positivkriterien auf der Suche nach der wahren Kirche im konkreten Einzelfall zu applizieren:- Prinzip der Integration: die wahre Kirche muss alle relevanten Hinsichten des in ihr konstituierten „neuen Seins" als positive Heilskriterien in sich enthalten und alle anderen Kirchen mit ihrem jeweiligen Anspruch auf Wahrheit und Vollständigkeit - ein Anspruch, der formallogisch angegeben und entfaltet werden muss - integrieren können, jedoch nicht umgekehrt: die wahre Kirche darf nicht durch andere Kirchen integriert werden können, trotz verbleibender partieller Überschneidungsbereiche. Somit werden formallogisch dominante und irreduzible Heilsprinzipien gesucht, was sich etwa im Sakramentenverständnis anzeigt: unter Voraussetzung des o.g. Glaubensaxioms ist die real zugetraute Heilswirksamkeit eines Sakramentes der existential-ontologisch dominante Maßstab der Beurteilung des jeweiligen sakra- mententheologischen Begründungszusammenhangs. Der eine, eindeutige und wahre Heilsweg muss andere vermeintliche Heilswege als Heilselemente positiv integrieren können und ihnen gegenüber offen sein.- Prinzip der Konsistenz: das formalisierbare Axiomen- und Fundierungssystem der jeweiligen Kirche muss vollständig und eindeutig ( = negativ: restriktiv) sein, sowohl bezogen auf eine Fundierungshinsicht als auch bezogen auf den Konnex der Fundierungs- und Deskriptionshinsichten. Dabei müssen die ausgesagten und postulierten Sachverhalte formal eine identische Einheit, inhaltlich jedoch eine analoge Einheit miteinander bilden. Zugleich müssen sie schlechthin, also in jeder möglichen Hinsicht, universal gültig und daher methodisch 49 Nach Antonio Rosmini hingegen (Die fünf Wunden der Kirche, Paderborn 197), blutet die Kirche in christologischer Rahmendeutung aus fünf Wunden (Unwissenheit des Klerus und der Laien, die Entfremdung von Klerus und Laien, die Abhängigkeit der Geistlichen von der staatlichen Gewalt, die Uneinigkeit der Bischöfe und die Abhängigkeit der Kirchengüter von der Staatsgewalt).