Folia Theologica 17. (2006)
Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?
80 I. KONCSIK ist wahr, wenn sie vollständig beschrieben und wenn diese Beschreibung konsistent ist a) hinsichtlich der je beschriebenen Ebene und b) hinsichtlich des Bezugs der Deskriptionsebenen zueinander47. Die zentrale Deskriptionsebene bezieht sich auf das personale Vertrauen in die Macht und Liebe Gottes - ein Vertrauen, dessen Möglichkeitsbedingung wiederum die Aktion Gottes - biblisch - „im Herzen" des Glaubenden ist, so dass eine originäre und bidirektionale Interaktion zwischen göttlicher und menschlicher Zuwendung unter dem Primat der Wirkung Gottes vorliegt, deren Ergebnis im Wachstum kraft ihres Vollzugs liegt. Maximales Wachstum ist wiederum nur möglich bei der Maximierung aller Ebenen, in denen sich Menschsein realisiert. So erfolgt bei einem maximalen Vertrauen in Gottes externe Wirkung ein Maximum an „neuem Sein", das auf die erkenntnistheoretisch eruierbaren Maßstäbe des verwandelten eigenen Menschseins48, des darin sich auswirkenden gottmenschlichen Seins und des transformierten Zugangs zu allen Seienden rekurriert. Jeder Maßstab ermöglicht und erzeugt seinen ihm zukommenden Gewissheitsgrad. Ekklesiologisch impliziert das die ausschließliche Gegebenheit einer wahren Kirche, wenn sie als Instrumentalursache dieses „neue Sein" vollständig zu veranlassen und somit zu erklären vermag. Ansonsten wäre eine bessere resp. vollkommenere, weil komplettierte und komplettierende Kirche denkbar. Als Negativkriterium für die Denkbarkeit einer „vollkommenen" Kirche fungiert der Ausschluss von Unmöglichkeiten; gedacht ist etwa an ek- klesiologische Modelle, welche die Kirche linear auf Gott - anstatt nichtlinear und analog - reduziert, d.h. die Kirche trotz ihrer naturhaften Nichtigkeit (Schwäche, Analogie) mit Gott totalidentifiziert 47 Konkretes Beispiel: wird über die Ausbreitung der Kirche reflektiert und sie exklusiv auf sozio-historische Mechanismen zurück geführt, dann ergeben sich ungeklärte Probleme nach der faktischen Ausbreitung der Kirche, ihrer Ausdifferenzierung u.ä. Hier liegt demnach eine Inkonsistenz hinsichtlich der Deskriptionsebene selbst, die auf die Evolution der Kirche rekurriert, sowie hinsichtlich des Bezugs zur heilsgeschichtlichen Deskriptionsebene, deren reale Wirksamkeit nicht adäquat einkalkuliert wird. 48 Die Gewissheit des eigenen Menschseins kann aufgefächert werden in eine empirische, psychische, rationale, mental-intuitive und existentielle Evidenz (vgl. KONCSIK, I., Grundlagen eines Dialogs der Theologie mit den Naturwissenschaften, in: WiWei 61 (2/1998) 287-308).