Folia Theologica 17. (2006)

Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?

DIE SUCHE (NACH) DER WAHREN KIRCHE 79 die Aufgabe, ihre vertikale und horizontale Dimension in die Ein­heit ihrer Differenzen bzw. in die positiv-konstruktiven Differenzen einer Einheit zu bringen43. Diese Einheit ist selbst wiederum ana­log, weil die Analogie zwischen Vertikalität und Horizontalität sich immer neu analogisiert44. Sie gründet in der christologischen Analo­gie Jesu zu Gott, insofern im gottmenschlichen Korrelationsverhält­nis Jesu Christi jedwede dialogisch-existentielle Interaktion eines Christen präfundiert wird45. Wird die Analogie verlassen, so zerfällt die Einheit von sichtbarer und unsichtbarer Kirche in ein Konkur­renzverhältnis, in eine paradoxale Differenz, in Indifferenz etc.46 Um eine korrekte Entscheidangstrajektorie zu bestimmen, dürfen die in den genannten Modellen erfassten Hinsichten und Parame­ter nicht reduziert bzw. über/unterbewertet werden. Ziel ist die Er­fassung der gesamten Gegebenheit der wahren Kirche: eine Kirche in Spannung zueinander stehen, (bes. 314-316). So erlangt Petrus erst durch seinen Martyrertod die Einheit von Amt und Liebe. 43 Betont nicht Karl Adam (Das Wesen des Katholizismus, Düsseldorf 1J1957) eben diese göttlich initiierte und aktivierte Analogie zwischen sichtbarer und unsichtbarer Kirche, wenn er formuliert: „Ich glaube also, genau gesehen, nicht der Kirche, sondern dem lebendigen Geist Jesu, der sich mir in der Kir­che bezeugt. Und nicht ich glaube, sondern der Heilige Geist glaubt in mir. Der Katholik ergreift und bejaht Jesus endgültig und entscheidend in dem strömenden Leben seiner Kirche, in Jesu mystischem Leib.“ (94) 44 Was exakt damit gemeint ist, siehe in: KONCSIK, L, Große Vereinheitli­chung? Die interdisziplinäre Suche nach Grundmustern der Wirklichkeit, Band 1: Trinitarische Fundierung, Hamburg 2000 45 Die damit postulierte ontologische Analogie impliziert im Grunde die christo- logisch vermittelte „analogia fidei“ (auch wenn die ontologische Analogie aus anderen - hamartiologischen, erkenntnistheoretischen, idealistischen - Motiven heraus abgelehnt werden mag) etwa bei Karl Barth (Kirchliche Dog­matik, Bd. IV, 1, Zollikon-Zürich 1953), wonach durch Christus allein die Ähnlichkeit von Gott und Mensch zugänglich und erkennbar wird - eine Ähn­lichkeit, die sich ekklesial als Entsprechung von Wort und Antwort ereignet. Daher ist Christus das „Haupt“, die Gemeinde sein „Leib“: „so gehört sie zu ihm; so gehört er zu ihr.“ (738). In der christlichen Gemeinde wird die Offen­barung (der Analogie) vorweg genommen (vgl. 739). 46 Die Analogie wird demnach verlassen, wenn die Differenz zwischen sichtba­rer und unsichtbarer Kirche überbetont wird, etwa bei TILLICH, Paul, Syste­matische Theologie, Band III, Stuttgart 1966, betont etwa: „Die Repräsenta­tion des Reiches Gottes durch die Kirchen ist ebenso zweideutig wie die Ver­wirklichung der Geistgemeinschaft in den Kirchen. In beiden Funktionen zeigt sich der paradoxe Charakter der Kirchen: sie offenbaren und verhüllen zugleich.“ (426).

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