Folia Theologica 17. (2006)
Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?
DIE SUCHE (NACH) DER WAHREN KIRCHE 77- Modell 5: Analoge Mittlerschaft: gemeint ist eine zweifache Analogie der „teilhabenden Mittlerschaft"38 der Kirche a) zur Mittlerschaft Christi und b) unmittelbar zur göttlichen Heilswirkung bzw. -Ökonomie. Damit geht, was hier besonders wichtig ist, gnoseologisch eine nur analoge Erkennbarkeit der wahren Kirche und ontologisch eine nur analoge Wirksamkeit des innersten Kerns des wurzelhaft im extraordinären Wirken Gottes verankerten „vertikalen" Ursprungs der Kirche als existential-ontologisches divines Werk einher - und (analog) umgekehrt: die geschichtlich konkrete Kirche wirkt auch auf ihre vertikale Dimension, insofern Kirche wesenhaft relational-dialogische Mutualität impliziert. Dieses Modell wahrt nicht-reduktiv und zugleich eindeutig, weil restriktiv39, den eigentlichen Reichtum der Kirche, der sich in der letztlich uneinholbaren Vielfalt ihrer Wirkungsebenen und Erstreckungsfelder nichtsdestotrotz eindeutig und identifizierbar manifestiert40. cietas perfecta“ und „corpus mysticum“, das ein übernatürliches Ziel mit übernatürlichen Mitteln erreichen soll. Man beachte die Parallele zu Schee- ben (Anm. ) 38 JOHANNES PAUL II, Redemptoris Missio, 5 (=RM 5) 39 Man denke an das Negativkriterium der Einheit der Kirche nach LG 14: „Nicht gerettet wird aber, wer, obwohl der Kirche eingegliedert, in der Liebe nicht verharrt und im Schoße der Kirche zwar ,dem Leibe’, aber nicht ,dem Herzen’ nach verbleibt.“ - Übrigens bezieht sich die Formulierung „dem Herzen nach“ auf die Zugehörigkeit zur verborgenen, unsichtbaren Kirche als primär effektives Heilskriterium (was die Zugehörigkeit zur sichtbaren Kirche „dem Leibe nach“ sicher nicht vergleichgültigt). 40 Eine solche Position verträgt sich mit der Insubistenz der Kirche im Verborgenen, woraus die Möglichkeit ihrer Verzerrung durch den Schein ihrer manifestierenden Erscheinung folgt: die Kirche wird schon von Origenes als Hure und Heilige, als „casta meretrix“ - Kirche der Sünder gefasst (Origines, Ho- milien zu Ezechiel, in: ebd., 226 (Buch VI, 1).233 (Buch VIII, 1)). Origenes unterscheidet daher zwischen den drei Modi des „Leibes“ Christi: dem physisch realen Leib Jesu, dem eucharistischen Leib als Hostie sowie dem mystischen Leib als Kirche — eine Unterscheidung, die dogmengeschichtlich äußerst relevant wurde.