Folia Theologica 17. (2006)
Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?
76 I. KONCSIK nur kein Heilsweg, sondern überhaupt kein Heil existiert. Ein solches Modell erlebt apologetisch motiviert immer wieder eine temporal limitierte Hochkonjunktur34. Letztlich wird die aufgrund der analogen Grundstruktur allen Seins ontologisch notwendige Begrenzung alles Sichtbaren ignoriert und die raumzeitlich variierende sichtbare Kirche linear mit Gottes Wirken unter Ausblendung der Differenz identifiziert, d.h. die Analogie der sichtbaren Kirche zur himmlischen Gemeinschaft zugunsten einer Univozität geopfert.- Modell 4: Partikularer Reduktionismus', die o.g. drei wesentlichen Qualifizierungen der Kirche werden isolativ gemäß apodiktisch getroffenen persönlichen Präferenzen gefasst und aus dem sich in ihnen analog anzeigenden Gesamtkontext heraus operiert: die „Geistkirche" abstrahiert die Qualifizierung „Tempel des Hl. Geistes"35, Kirche als Proexistenz und pilgernde Gemeinschaft36 isoliert die sakramententheo- logische und eschatologische Qualifizierung „Volk Gottes" und Kirche als übernatürliches Gnadenwerk37 isoliert die ontologische Qualifizierung „Leib Christi". Bedingung für das Seelenheil. - Auch lehramtlich definiert etwa das Konzil von Florenz, dass es kein Heil für Heiden, Juden, Häretiker und Schismatiker gibt (die bekannte Bulle „Cantate Domino“, 1442) - unter expliziter Berufung auf Fulgentius von Ruspe. 34 So wird etwa im Rahmen der Kontroverstheologie die Kirche durch Kardinal Robert Bellarmin als Monarchie, als societas perfecta, bestimmt (Controversiae generales: De summo pontifice I c. 9, in: Opera omnia Bd. 1, Paris 1870; Nachdruck: Frankfurt a. M. 1965, 479 a.). Sie wird als sichtbare Gemeinschaft gefasst - sichtbar wie die Republik Venedig (Controversiae generales: De conciliis III c. 2, in: Opera Omnia Bd. II, Paris 1870, Nachdruck Frankfurt a. M. 1965, 317 b f.). 35 Sogar Moltmann, J. (Kirche in der Kraft des Geistes, München 1975, bes. 317f) betont das (analoge?!) Zusammenwirken von unsichtbarem Geist, „Liebe“ und konkret manifestem „Recht“ in der Kirche. 36 BONHOEFFER, D., Widerstand und Ergebung, hg. von E. Bethge, München 1970: „Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist.“ (415) - so richtig diese Aussage in ihrer Substanz der h eiligen Gemeinschaft stiftenden Charakters ist, so gefährlich ist es auch, diese ihre pragmatisch essentielle Funktion von ihrer transnaturalen Wurzel her zu isolieren. 37 So etwa bei der sog. „römischen Schule“. Clemens Schrader (De corpore Christi mystico sive De Ecclesia Christi theses. Die Ekklesiologie des Konzilstheologen Clemens Schrader, hg. und komm. v. H. Schauf, Freiburg 1959) etwa bestimmt hier zusammen mit Franzelin und Passaglia die Kirche als „so-