Folia Theologica 17. (2006)

Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?

DIE SUCHE (NACH) DER WAHREN KIRCHE 75 schaft zu religionsphilosophischen Konzeptionen lautet: der Vielfalt göttlicher Offenbarungen entspricht linear eine Viel­falt menschlicher Heilsantworten29, womit der Absolutheits­anspruch der katholischen Kirche abgelehnt wird30. Denn: „Der göttliche Erfahrungsgegenstand ist unbegrenzt, wäh­rend das menschliche Erfahrungssubjekt und sein konzeptu­eller Apparat begrenzt ist."31 Entgegen einer Analogie zwi­schen Gott und Schöpfung wird ihre Differenz bis zur nivel­lierenden Indifferenz der religiösen Antworten gesteigert. Die These allein führt jedoch nicht automatisch in einen Rela­tivismus. Auf dieser Grundlage wird die Pluralistische Reli­gionstheologie sogar immer öfter positiv bewertet32.- Modell 3: Ekklesialer Absolutismus: gemeint ist das exklusivi- stische bzw. partikulativ-isolierende Modell der Kirche, au­ßerhalb derer sichtbaren Gestalt seit Cyprian33 definitiv nicht 29 SCHMIDT-LEUKEL, P., Optionen und Chancen der pluralistischen Religions­theologie John Hicks, in: SCHWAGER, R. (Hg.), Christus allein? Der Streit um die pluralistische Religionstheologie, (QD 160) Freiburg u.a. 1996, 11-49, 11 30 Vgl. BERNHARDT, Reinhold, Der einzige Weg zum Heil? Die Herausforde­rung des christlichen Absolutheitsanspruchs durch pluralistische Religions­theologien (QD 143, hg. von Jürgen WERBICK und Michael von BRÚCK), Freiburg-Basel-Wien 1993, 184f 31 SCHMIDT-LEUKEL, P., Optionen und Chancen der pluralistischen Religions­theologie John Hides, in: SCHWAGER, R. (Hg.), Christus allein? Der Streit um die pluralistische Religionstheologie, (QD 160) Freiburg u.a. 1996, 11-49, 31 32 So der Tenor bei SCHMTDT-LEUKEL, P., Optionen und Chancen der plura­listischen Religionstheologie John Hicks, in: SCHWAGER, R. (Hg.), Chri­stus allein? Der Streit um die pluralistische Religionstheologie, (QD 160) Freiburg u.a. 1996, 11-49 33 Nach BKV 34 (1918), 335-356, bes. 352f. Vgl. dazu Cyprians Vierten Brief, Kap. 4 (BKV 60, S. 14): „Denn außerhalb (der Kirche) können sie nicht le­ben, da es nur ein Haus Gottes gibt und niemand sein Heil finden kann außer in der Kirche.“. Hier erfolgt eine klare Identifikation der Kirche mit der sicht­baren Kirche: die Evidenz der Subsistenz leitet sich hier (wie auch bei ande­ren) aus dem sakramentalen Selbstvollzug der Kirche ab: aus der Sichtbarkeit der wirksamen Sakramente leitet sich die Sichtbarkeit der Kirche ab sowie ih­rer effektiven Heilswirkung. Außerhalb der Heilswirkung gibt es - abge­schwächt gegen Cyprian - zumindest keine objektive Heilsgarantie, wobei tridentinisch innerhalb der Kirche keine subjektive Heilsgewissheit gelten kann. Siehe dazu Fulgentius von Ruspe, Vom Glauben (BKV, 2. Reihe, Bd. 9 (1934) 119-188, bes. 160f): Das Sakrament der Taufe führt nur in der katholi­schen Kirche zum Heil. Die faktische und reale Gemeinschaft mit der sichtba­ren katholischen Kirche ist eine notwendige, wenn auch nicht hinreichende

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