Folia Theologica 17. (2006)

Imre Koncsik: Künstliche Intelligenz - was kann die Dogmatik zur Diskussion beitragen?

DIE SUCHE (NACH) DER WAHREN KIRCHE 73 tionsfähig, er ist im Grunde agnostizistisch weder hinsicht­lich seines Seins noch seines Willens erkennbar, weshalb es eine Pluralität von Heilswegen in allen Religionen gibt, die indifferent und gleichwertig erscheinen20 - scheinbar im Wi­derspruch zur katholischen Auffassung der Akzeptanz von differenten Heilselementen unter Wahrung des einzigen Heilsweges21. Bezeichnenderweise bildet in der neuesten Li­teratur den Ort der Diskussion pluralistischer Religionstheo­rien angelsächsischer Provenienz die Christologie, die zu plu­ralistischen Christologien werden22. Das damit implizierte In­einander von Christologie und Ekklesiologie wird folgerich­tig von pluralistischer Seite aus angefragt, indem etwa eine „kopernikanische Wende" gefordert wird: „Vom Ekklesiozen- trismus und Christozentrismus zum Theozentrismus und So- teriozentrismus."23 Der bekannteste Vertreter der PRT ist - neben Leonard SWIDLER, Paul F. KNITTER, Schubert OGDEN (*1928), PLATIGNA und Richard SWINBURNE (*1934) - John 20 Siehe die Kritik von MÜLLER, G. L., Das Problem des dogmatischen An­satzpunktes in der Christologie, in: MThZ 44 (1993) 49-78; DERS., Erkennt­nistheoretische Grundprobleme einer Theologie der Religionen, in: FoKTh 15 (1999) 161-179 21 In Anlehnung an LG 8 („Das schließt nicht aus, dass außerhalb ihres (sc. der sichtbaren Kirche) Gefüges vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahr­heit zu finden sind, die als der Kirche Christi eigenen Gaben auf die katholi­sche Einheit hindrängen.“) sowie UR 3: siehe SCHEFFCZYK, L., Katholi­sche Dogmatik, 6: Die Heilsverwirklichung in der Gnade. Gnadenlehre, Aa­chen 1998, 46f 22 Einer christologischen Reduktion - bekanntlich schon bei Feuerbach, wonach nur die Menschheit als ganze Rezipient und Adressat göttlicher Selbstmittei­lung werden kann und nicht nur ein singulärer Mensch allein - folgt eine ek- klesiologische Nivellierung, wie aktuell bei LÜDEMANN, Gerd, Takten und Fantasien in der neuen Jesus-Literatur und im Neuen Testament, in: DEA- CKE, Sigurd; SAHM, Peter R. (Hgg.), Jesus von Nazareth und das Christen­tum. Braucht die pluralistische Gesellschaft ein neues Jesusbild?, Neukir­chen-Vluyn 2000, 130-152, oder bei THEISSEN, Gerd; MERZ, Annette, der umstrittene historische Jesus, oder: Wie historisch ist der historische Jesus?, in: ebd„ 171-193 23 SONNENMANS, Heino M., Christus - Krishna — Buddha. Zur pluralisti­schen Religionstheologie, in: DEACKE, Sigurd; SAHM, Peter R. (Hgg.), Je­sus von Nazareth und das Christentum. Braucht die pluralistische Gesell­schaft ein neues Jesusbild?, Neukirchen-Vluyn 2000, 51-79, 62

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